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Konnichiwa: Schöne Aussichten in der Quarantäne

Alles lief so easy und entspannt am Flughafen in Tokio. Morgens um acht Uhr bin ich gelandet. Ab jetzt bin ich Deutschland übrigens acht Stunden voraus. Wir waren wohl der erste Flieger am Morgen, deswegen kam es kaum zu Stau. Statt stundenlangem Stehen war vor allem Gehen gefragt. Ja, das was die ersten Ankömmlinge bereits berichtet hatten, bewahrheitete sich auch bei uns: Immer wieder dieselben Fragen, sieben Mal dieselben Zettel rausziehen. Mal war es eine Deklaration, dass ich keine Waffen oder Drogen mit mir führe, aber am meisten wollte man meinen negativen Coronatest sehen. Nur den aktuellsten. Die 89 Euro für den Test 96 Stunden vor Abflug hätte ich mir wohl sparen können. Was auch noch hoch im Kurs stand war die OCHA-App. Die, die freigegeben wurde, wenn der Aktivitätenplan genehmigt war(dazu später noch mehr). Und die quasi per QR-Code zeigt, wie viel Temperatur ich jeden der letzten 14 Tage hatte und wo ich mich nun hinbewege.

Interessant dann auch der Spucktest auf dem Flughafen Haneda. Während man in Frankfurt dafür ein Wattestäbchen mit Stoppuhr eine Minute im Mund hin- und herbewegen musste, bekam man nun an einem ersten Point ein Röhrchen mit personenidentifzierender Nummer in die Hand, ein paar hundert Meter weiter, wo wieder Reisepass und Co gecheckt wurden, noch einen Trichter. Um die Ecke rum erschloss sich das Prozedere. Jeder wurde jetzt in eine eigene Trennwand gesteckt, mehr oder weniger von äußeren Blicken geschützt - und da stand die Anleitung: So oft in das Röhrchen bzw. den dareinführenden Trichter spucken bis die rote Marke erreicht ist. Himmel! Ich wusste gar nicht, wie wenig Spucke ich habe. Links neben der Anleitung, welche Tests alle nicht zulässig sind (zum Beispiel solche, wo nur Bläschen zu sehen sind oder sich Essensreste in der Spucke befinden), war dann wohl auch ein so genannter "Appetitzer" (ich weiß auch nicht, warum ich dabei an so Heftchen denke, die laut Hörensagen da ausgelegt werden, wo Spermien gesammelt werden müssen). Was darauf zu sehen war? Einmal irgendwelche japanischen Teigbällchen, zum anderen Zitronen. Was davon mir jetzt besonders Speichelfluss bescheren sollte, blieb mir verschlossen. Beides war wohl nicht mein Geschmack. Aber ich konnte noch einen Blick auf die Kollegen erhaschen, die sich auch sichtlich bemühten, die rote Linie zu erreichen.

Irgendwann war es geschafft und dann hieß es zum ersten Mal "Warten". Auf das Testergebnis. Auch das ging überraschend schnell und unterdessen durfte man dann auch schon mal diese japanischen Toiletten kennen lernen, bei denen für jegliche untere Körperregion ein eigener Schauer plus entsprechender Föhn vorgesehen ist. Interessant!

Der Test war negativ und jetzt sollte ja eigentlich nichts mehr schief gehen. Eigentlich. Doch ein Spürhund trieb mir noch mal den Schweiß auf die Stirn. Ob ich etwas in meinem Koffer hätte? Essen? Obst? Ach herje! Ja! Ich hatte einen Apfel mit Handgepäck, den ich vergessen hatte zu essen - das Bordmenü war ergiebig. Dieser kleine Beagle hatte seinen Job gut gemacht und ich musste unter Begleitung zur Kontrolle. Ich fürchtete schon mit dem Schlimmsten. Aber mir wurden nur mit anschaulichen Fotos unterschiedliche Früchte gezeigt und gefragt, was davon ich dabei hätte und ob es noch mehr sei. War es nicht. Der Apfel wurde ausgesondert und ich durfte zum Shuttlebus. Puh.

Alle waren superfreundlich und hilfsbereit, viele schon am Morgen sehr wach und fröhlich winkend. Also Japan doch so, wie man es sich vorgestellt hatte. Unser Busfahrer fuhr uns an einen Taxiparkplatz, wo nun jeder einzeln seine Hoteladresse angeben musste. Und dann wurde auch jeder einzeln in ein Taxi gesteckt. Egal, ob man zu zweit oder zu dritt ein Ziel anfuhr. Während wir im Bus noch wie in einer Sardinenbüchse saßen und im Flieger ja ohehin, wurde hier also nun streng auf Distancing geachtet. War aber auch mal ganz angenehm. Die ersten Eindrücke der Stadt: alles hochgebaut, hochgebaut, hochgebaut. Aber auf viel grau folgte auf einmal dazwischen viel Grün. Unfassbar viel Grün. Überall Baumpasssagen, jede Zwischenrinne wird grün eingepflanzt. Offensichtlich gibt es hier schon Konzepte, die in Deutschland so langsam für Großstädte aufgrund des Klimas angedacht werden. Japan allerdings verhilft es derzeit nicht zu besseren Temperaturen. Täglich sind es um die 34 Grad. Übrigens schützt sich die japanische Dame ganz vornehm gegen die Sonne: mit Schirm. Meist einem Regenschirm. Das ist das meistgetragene Accessoire in der Stadt, definitiv.

Nunja, nun waren wir also im Hotel. Dem Zimmer, das die Kollegen schon als Tyon-like beschrieben. Also wo wir 2018 zu den Weltreiterspielen waren. Ich muss zugeben: So schlimm ist es nicht. Ähnlich klein, ähnlich alt, aber immerhin sauber. Dafür ohne jegliches Tageslicht. Und da kommt nun meine persönliche Tragödie nach einer so gelungenn Anreise: Ich muss für drei Tage die Quarantäne einhalten. Das haben schon ganz viele. Auch einige Kollegen in den letzten Tagen. Immer wieder wurde uns gesagt, dass wir entweder drei Tage Quarantäne oder 14 Tage machen müssen (für die, die vor dem 9. Juli anreisten). Was wir dabei dachten: Dass wir aber zur Wettkampfstätte dürfen. Nur nicht in Supermärkte und co. Aber Pustekuchen. Ich sitze nun fest. Andere haben die Option "Work from day 0" gewählt, von der ich mit anderen ausgegangen war, dass sie nicht genehmigt werden würde. Deswegen wollten wir auf "Nummer sicher" gehen, die drei Tage Quarantäne light einhalten. Doch nun sind sie "heavy". Und wie. An der Wächterin vor dem Hotel (wir dürfen nur den Ausgang nehmen, der an dem Tisch vorbeiführt) war jedenfalls kein Vorbeikommen. Man muss sich mit Zimmernummer eintragen. Die Nachverfolgung wäre also garantiert. Und dann lieber drei Tage Hotel als Akkreditierung weg. Dennoch. Eine bittere Pille. Ich suche noch dem Positiven, das ja bekanntlich in allem steckt. Ich werde es schon finden.

Wie ihr seht: Gemütliche Aussicht, bis Samstag, also das Bild oben (denn heute ist Tag 0 - die Quarantäne geht also von Tag 1-3 inklusive Freitag demnach). Ich habe noch alle Hebel in Bewegung gesetzt und alle Kontaktadressen, die es gibt, versucht zu kontaktieren. Aber die Entscheidung liegt bei der Regierung. Und die hat dieser Tage alle Hände voll zu tun.

Also, ich versuche jetzt nach knapp 28 Stunden ohne Schlaf mal die Augen zuzumachen. Bis morgen!

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