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SPEKTRUM PFERD: Unsere Reitabzeichen-Serie

Mit dem Start des neuen Sonderteils "SPEKTRUM PFERD" in unseren Magazinen BAYERNS PFERDE Zucht+Sport und Reiterjournal startete parallel auch unsere neue Reitabzeichen-Serie. Schritt für Schritt wollen wir Ihnen Ausgabe für Ausgabe einzelne Ausbildungsabschnitte und Grundkenntnisse erläutern. Zusätzlich zu Text- und Bildmaterial finden Sie auf dieser Seite erklärende Videos.

Unsere Autorin für diese Reihe ist Michaela Otte-Habenicht, Autorin des Buches "Die Reitabzeichen 5-1".

Bodenarbeit

Die Bodenarbeit ist als Grundlage für die Verständigung zwischen Mensch und Pferd zu sehen und dient der Schulung des sicheren Umganges mit dem Pferd und kann als das kleine 1 x 1 bezeichnet werden. Vom Ansprechen und Annähern an das Pferd im Stall oder auf der Stallgasse – sich nie von hinten oder direkt von vorne dem Pferd nähern - über das Aufhalftern, Führen (aus der Box, an anderen Pferden vorbei, zum Paddock/ zur Weide etc.), Anbinden, dem Führen von Hufschlagfiguren bis hin zu Dreiecksvorführungen und der Mithilfe beim Verladen werden Praxiselemente gefordert, die der Sicherheit dienen. Die Inhalte der Bodenarbeit bauen vom RA 10 bis zum RA 5 aufeinander auf, ganz nach dem Prinzip „vom Leichten zum Schweren“. Beim RA 5 werden bei der Station Bodenarbeit das Vorführen auf der Dreiecksbahn oder ein Geschicklichkeitsparcours mit z.B. Stangentreten „Hoch-Tief“, Stangenlabyrinth mit z.B. Anhalten/Stehenbleiben/Rückwärtstreten lassen, Slalom um Kegel sowie über eine Matte-/Plane-treten-lassen gefordert.

 Das Gelassenheitstraining geht noch weiter und dient dazu, das Pferd an Umweltreize (unbekannte Gegenstände wie Regenschirme, Flatterband etc.) zu gewöhnen, damit sich das Pferd aufmerksam, gehorsam, gelassen und vertrauensvoll vorführen lässt. Dabei stellt die führende Person das Pferd außerhalb des Stalles immer auf Trense mit Handschuhen vor und absolviert ohne fremde Hilfe die gestellten Aufgaben. Eine Gerte als Hilfsmittel ist bei einer Prüfung zugelassen. Die führende Person geht an der linken Seite des Pferdes in Schulterhöhe und führt das Pferd mit der rechten Hand, der rechte Zügel sollte beim Führen nicht kürzer genommen werden. Soll das Pferd gewendet werden, wird es rechtsherum – vom Führenden weg – geführt, um ein Hineinspringen des Pferdes in den Führenden zu verhindern. Wird das Pferd auf die Weide geführt, so muss es mit dem Kopf erst in Richtung Ausgang gedreht und dann stehen gelassen werden, bevor der Strick gelöst wird.

 WICHTIG: Niemals vor dem Pferd gehen und beim Führen mit Halfter und Strick den Führstrick nie um die Hand wickeln (große Verletzungsgefahr)! 

Mehr dazu finden Sie in BAYERNS PFERDE oder REITERJOURNAL Ausgabe 4/2021 »

 

Pferdepflege

Bevor jedoch das Pferd überhaupt geführt werden kann, wird es zum Putzen aus der Box herausgeholt und entweder einseitig oder beidseitig angebunden. Dabei muss die Strickbefestigung am Halfter (Panikhaken) und am Haltering durch einen geeigneten Anbindeknoten leicht zu lösen sein. Im Bereich des Pferdes sollten sich keine Gegenstände befinden, die umkippen oder herunterfallen können, damit sich das Pferd nicht erschrickt oder verletzt.

Das Putzen dient nicht nur der Reinigung der Haare und Haut von Staub, Schmutz und Schweiß, sondern auch der Massage, welche die Durchblutung der Haut fördert. Dadurch wird zum einen das Wohlbefinden des Pferdes gesteigert, zum anderen wird ein Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Pferd aufgebaut. Vor und nach dem Bewegen des Pferdes werden die Hufe mit einem Hufkratzer ausgekratzt, wenn möglich, mit Wasser gesäubert und die Außenwand eingefettet – „no hoof, no horse“!

Mehr dazu finden Sie in BAYERNS PFERDE oder REITERJOURNAL Ausgabe 4/2021 »

Transport mit Verladen

Der Pferdetransport ist ein wichtiger Teil im Alltag eines Pferdebesitzers, sei es, um zum Training zu fahren, zu Turnieren zu gelangen oder ein Pferd im Krankheitsfall in eine Tierklinik zu transportieren. Vor dem Transport mit einem Pferdeanhänger und insbesondere jetzt nach der Winterpause sollte der Pferdeanhänger kontrolliert werden:

  • Reifen (ausreichendes Profil, genügend Reifendruck, nicht zu alt)?
  • Blockieren die Räder?
  • Ist die Abrissbremse funktionsfähig?
  • Funktioniert die Beleuchtung am/im Hänger?
  • Lässt sich die Hängerklappe richtig schließen?
  • Lässt sich das Stützrad leicht drehen?
  • Ist der Hängerboden stabil?

 Neben diesem Check ist eine regelmäßige Überprüfung durch den TÜV gesetzlich vorgeschrieben -> TÜV-Plakette.

Von großer Bedeutung bei einem Pferdetransport ist natürlich das Verladen des Pferdes, das wiederholt geübt werden sollte, damit das Pferd immer wieder vertrauensvoll, ruhig und willig auf den Hänger geht sowie ruhiges und vorausschauendes Fahren während des Transports.

  • Beim Verladen sind einige Dinge zu beachten, damit es nicht zu Unfällen beim Führenden oder dem Pferd kommt:
  • Beim Verladen immer Ruhe bewahren.
  • Die Pferdebeine mit geeigneten Gamaschen schützen.
  • Immer erst die rückwärtige Abschlussstange einhängen und die Hängerklappe schließen, bevor das Pferd angebunden wird.
  • Beim Anbinden nicht den Finger durch den Anbindestrick stecken.
  • Das Entladen erfolgt in umgekehrter Reihenfolge – erst den Anbindestrick lösen, bevor die Klappe heruntergelassen und die Abschlussstange ausgehangen wird.
  • Beim Ausladen darauf achten, dass das Pferd nicht seitlich von der Klappe herunterrutscht und dass der Verschlusshebel weggesteckt ist.
  • Beim Verladen mit Problempferden zwei Longen als Einstiegshilfe nutzen, evtl. die Trennwand breit stellen.
  • Beim stürmenden Pferd sollte man, statt vorweg zu gehen, wenn möglich, in den freien Teil des Zwei-Pferdeanhängers gehen, um sich nicht unnötiger Gefahr auszusetzen.


Mehr dazu finden Sie in BAYERNS PFERDE oder REITERJOURNAL Ausgabe 4/2021 »

Der Dressursitz und der leichte Sitz

Voraussetzung für das Eingehen des Reiters in die Bewegung des Pferdes sind Gleichgewicht und Losgelassenheit, Wahrnehmung der eigenen Körperhaltung und der einzelnen Bewegungen des Körpers, Erfühlen und Folgen der Bewegungen des Pferdes. Durch leichte Veränderungen der Körperhaltung und durch das Mitschwingen aus dem Becken heraus kann der Reiter sich den Bewegungen des Pferdes anpassen und diese beeinflussen, z. B. beim Angaloppieren, Aussitzen, Leichttraben. Die Unterschiede zwischen Belasten und Entlasten werden feiner und sind für den Betrachter kaum noch sichtbar. Im Dressursitz sitzt der Reiter aufrecht im Dressursattel, das Gesäß ruht mit unverkrampften Muskeln im tiefsten Punkt des Sattels, sodass ein vom Ohr über Schulter und Hüftgelenk gefälltes Lot auf das Fußgelenk trifft (kurz: Senkrechte Ohr-Schulter-Hüfte-Absatz). Die Aufrichtung des Oberkörpers erfolgt aus der Mittelpositur heraus entsprechend des Zahnradmodells. Kippt das Becken leicht nach vorn, hebt sich das Brustbein des Reiters. Die Schultern sind so weit zurückzunehmen, dass sich die Brust leicht wölbt. Durch das Wechselspiel der Rumpfmuskulatur entsteht eine positive Körperspannung. Die Oberarme hängen aus den Schultern unverkrampft herab, die Unterarme sind leicht angewinkelt, sodass Unterarm-Zügel-Pferdemaul eine gerade Linie bilden. Viele Sitzfehler entstehen aufgrund mangelnder Losgelassenheit des Reiters. Neben der allgemeinen Verkrampfung der Muskulatur und der dadurch entstehenden Unruhe und Unsicherheit sind Stuhlsitz (Oberschenkel, Knie hochgezogen, zu kurzer Bügel), Spaltsitz (Belastung zu sehr auf dem Oberschenkel, Unterschenkel rutschen nach hinten, Hohlkreuzhaltung, zu langer Bügel) und das Einknicken in der Hüfte die häufigsten Fehler im Dressursitz.

Der leichte Sitz wird im Springsattel geritten, der Bügel ist im Vergleich zum Dressursitz deutlich verkürzt, das Maß der Verkürzung individuell bedingt (Verkürzung um ca. 3 bis 6 Loch) und zweckgebunden.  Im leichten Sitz kann sich der Reiter besser den verändernden Bewegungen des Pferdes anpassen, z. B. beim Überwinden von Hindernissen oder beim Reiten im Gelände.  Dadurch, dass der Reiter sein Gewicht aus der Sitzfläche des Sattels nimmt und es mit seinen Füßen in deutlich kürzer geschnallten Steigbügeln abfedert (Fundament: Knie-Unterschenkel-Absatz), kann sich der Pferderücken mehr aufwölben und freier durchschwingen. Je mehr der Oberkörper nach vorn genommen wird, desto mehr muss das Gesäß nach hinten verschoben werden, um im Gleichgewicht zu bleiben, ähnlich einer Ski-Abfahrts-Hocke. Beim Springreiten muss der Reiter besonders gut im Gleichgewicht sitzen, um in den verschiedenen Phasen der Entlastung vor, über und nach dem Hindernis mit den Bewegungen des Pferdes mitgehen zu können. Damit passt er sich ständig den veränderten Situationen beim Anreiten, im Absprung, über dem Sprung, in der Landung und beim Weitergaloppieren nach dem Sprung an. Beim Anreiten der Hindernisse und in Wendungen hat der Reiter mit seinem Gesäß Kontakt zum Sattel bei leicht nach vorn geneigtem Oberkörper. In der Absprungphase geht der Reiter geschmeidig mit der Bewegung des Pferdes mit, der Oberkörper geht vor und das Gesäß kommt etwas weiter aus dem Sattel, die Hand geht Richtung Pferdemaul vor, um die Dehnung zuzulassen, ohne die Verbindung aufzugeben. Über dem Sprung wird das Gesäß aus dem Sattel genommen und der Oberkörper stärker vorgeneigt, Knie, Unterschenkel und Absatz behalten ihre Lage bei. In der Landephase wird der Oberkörper entsprechend der Schwerpunktverlagerung zurückgenommen, um das Pferd wieder vor die treibenden Hilfen zu bekommen.

Die häufigsten Fehler beim leichten Sitz und beim Reiten über Hindernisse liegen in einem zu geringen oder zu starken Eingehen in die Bewegung beziehungsweise in der ungenügenden Balance und Schwerpunktverlagerung, indem der Reiter vor der Bewegung (Bügel zu lang, Unterschenkel zu weit zurück bei hochgezogenem Absatz, Reiter hat das Pferd nicht vor sich) oder hinter der Bewegung (Oberkörper hinter der Bewegung, zu weit vorgestreckter Unterschenkel, hohe rückwärtswirkende Hand, unelastische Mittelpositur) sitzt, sowie das Aufstehen oder das seitliche Vorneigen des Oberkörpers über dem Sprung.

Mehr dazu finden Sie in BAYERNS PFERDE oder REITERJOURNAL Ausgabe 5/2021 »

Die Skala der Ausbildung des Pferdes

Die Beherrschung aller Kriterien der Skala der Ausbildung ist für Dressurpferde unerlässlich. Aber auch für Pferde, die im Spring- und Geländereiten und auch im Freizeitbereich eingesetzt werden, ist sie notwendig, um den Hilfen des Reiters durchlässig zu folgen. Die Skala der Ausbildung mit den sechs Punkten

  • Takt, definiert als das Gleichmaß aller Schritte, Tritte und Sprünge,
  • Losgelassenheit mit dem unverkrampften An- und Abspannnen der Muskulatur bei innerer Gelassenheit,
  • Anlehnung als stete, weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul,
  • Schwung, der sich in der Übertragung des energischen Impulses aus der Hinterhand über den schwingenden Rücken auf die Gesamt-Vorwärtsbewegung des Pferdes zeigt,
  • Geraderichtung mit dem gleichmäßigen Gymnastizieren beider Körperhälften zum Ausgleichen der natürlichen Schiefe des Pferdes und
  • Versammlung als leichtfüßiges Ausbalancieren auf kleinerer Grundfläche mit energisch herangeschlossenen Hinterbeinen in selbstgetragener Haltung

gilt als „Herzstück“ der klassischen Reitlehre und ist der Leitfaden für den Ausbildungsweg des Pferdes, unabhängig von seinem Verwendungszweck.

Auch wenn die Skala der Ausbildung häufig als Pyramide dargestellt wird, beeinflussen sich die sechs Punkte gegenseitig und führen in Verbindung mit der Erziehung und dem Gehorsam zu einer sich immer weiter entwickelnden Durchlässigkeit – dem Zustand, in dem das Pferd seinem Ausbildungsstand entsprechend alle Punkte der Ausbildungsskala erfüllt und willig auf die reiterlichen Hilfen reagiert – und einem immer sicherer werdenden Gleichgewicht. Dabei fördert das Reiten im Gelände die Gesundheit und das Wohlbefinden, die psychische Ausgeglichenheit, die Trittsicherheit, die Balance und die Losgelassenheit des Pferdes sowie die Schwungentwicklung, die durch das Reiten eines höheren Tempos im Gelände am besten zu schulen ist. Durch eine vielseitige, parallele Ausbildung in der Dressur, im Springen und im Gelände kommt es zu positiven Wechselwirkungen auf die einzelnen Disziplinen. Die damit einhergehende Bemuskelung des Körpers trägt zur Gesunderhaltung und dauerhaften Leistungsfähigkeit des Pferdes bei, die Motivation wird gefördert. Einer der Ausbildungsgrundsätze neben dem planvollen, systematisch und methodisch richtig aufgebauten Training ist die Berücksichtigung des Wechsels von Belastung und Erholung, um dem Herz-Kreislauf-System sowie Muskeln, Bändern und Sehnen genügend Zeit zur Erholung nach längeren bzw. intensiveren Trainingseinheiten zu geben. So werden die Voraussetzungen für optimale Anpassungsprozesse der Muskulatur und der entsprechenden Strukturen geschaffen.

Wichtig hierbei ist, dass sich die Ausbildung immer an den naturgegebenen körperlichen und mentalen Voraussetzungen des Pferdes orientiert und die Skala der Ausbildung beachtet wird!

Gleichmäßiges Schreiten, Traben, Galoppieren im Takt

Der Takt zeigt sich in den Grundgangarten als Gleichmaß aller Schritte, Tritte und Sprünge und muss in allen Tempi – Arbeitstempo, Verstärkung und Versammlung – erhalten bleiben, sowohl auf geraden als auch gebogenen Linien und in den Übergängen. Der Schritt ist ein Viertakt in acht Phasen, die Fußfolge ist geprägt durch ein gleichseitiges, aber nicht gleichzeitiges Abfußen und die Bewegung ist schreitend ohne Schwebephase, taktmäßig, fleißig und raumgreifend. Es wird Mittelschritt, starker Schritt und versammelter Schritt unterschieden.

Der Trab ist ein Zweitakt in vier Phasen, bei dem die diagonalen Beinpaare gleichzeitig auf- und abfußen mit einem Augenblick der freien Schwebe, die Bewegung ist schwunghaft, elastisch und raumgreifend. Arbeitstrab, Tritte verlängern, Mitteltrab, versammelter und starker Trab werden hier unterschieden. Im Galopp gibt es den Links- und Rechtsgalopp im Dreitakt in sechs Phasen, bei dem das äußere Hinterbein, die Dreibeinstütze (äußeres und inneres Hinterbein, inneres Vorderbein), dann gleichzeitig das innere Hinterbein und das äußere Vorderbein, das innere Vorderbein und die Schwebephase den Ablauf kennzeichnen. Die Bewegung ist schwunghaft, bergauf und raumgreifend, die Tempi entsprechen den Tempi im Trab.

Als Taktfehler werden Unregelmäßigkeiten in der Fußfolge bezeichnet, die durch zu starke Handeinwirkung, zu wenig treibende Hilfen, fehlerhafte Anlehnung oder missverstandenes Vorwärtsreiten (eiliger Bewegungsablauf, Taktstörungen) entstehen.

Ruhig, aber nicht langsam – fleißig, aber nicht eilig

Die Losgelassenheit dient als Voraussetzung für jede weitere Ausbildung. Die taktmäßigen Bewegungen sind nur dann richtig, wenn sie über den schwingenden Rücken gehen und sich die Muskeln des Pferdes zwanglos und unverkrampft an- und abspannen. Der Reiter kommt zum Treiben und kann losgelassen und geschmeidig sitzen. Takt und Losgelassenheit stehen daher im direkten Zusammenhang. Die Losgelassenheit wird durch die Lösungsarbeit wie z. B. Leichttraben und Galopparbeit auf großen gebogenen Linien, Übergänge Trab – Schritt, Trab – Galopp, häufige Handwechsel erreicht, dient damit dem Aufwärmen der Muskeln, Sehnen und Bänder und wird durch das „Zügel-aus-der-Hand-kauen-Lassen“ überprüft. Die Losgelassenheit verbessert die Rückentätigkeit, aktiviert das Durchschwingen und Herantreten der Hinterbeine und zeigt sich im zufriedenen Gesichtsausdruck, in ruhiger Maultätigkeit, entspannter Unterhals- und tragender Oberhalsmuskulatur, im gleichmäßig schwingenden Rücken und getragenen, mit der Bewegung pendelndem Schweif.

Mehr zu diesem Thema und alle weiteren Punkte der Skala der Ausbildung finden Sie in Ausgabe 06/2021 von REITERJOURNAL » und BAYERNS PFERDE Zucht + Sport »

Schenkelweichen und Viereck-Verkleinern, Viereck-Vergrößern

Das Schenkelweichen ist eine lösende Übung, die die Durchlässigkeit des Pferdes, besonders für die vorwärts-seitwärtstreibenden Hilfen, fördert und gleichzeitig die Koordination der Hilfen des Reiters schult. Beim Schenkelweichen bewegt sich das Pferd mit geringer Stellung, aber ohne Biegung vorwärts-seitwärts auf zwei Hufschlägen. Dabei treten die inneren Vorder- und Hinterfüße gleichmäßig vor und über die äußeren. Die Stellung erfolgt immer zur Seite des vorwärts-seitwärts treibenden Schenkels, der somit zum inneren Schenkel wird, auch dann, wenn er der Bande zugewandt ist. Der Reiter belastet den inneren Gesäßknochen vermehrt, der innere Schenkel liegt etwas hinter dem Gurt und treibt vorwärts-seitwärts, der äußere Schenkel liegt verwahrend hinter dem Gurt und ist gleichzeitig auch für die Vorwärtsbewegung verantwortlich. Der innere Zügel wird leicht angenommen, um das Pferd zu stellen, der äußere verwahrende Zügel lässt die Stellung zu und verhindert ein Ausfallen über die äußere Schulter. Das Viereck-Verkleinern und -Vergrößern entspricht dem Schenkelweichen entlang gedachter diagonaler Linien und wird parallel zum Hufschlag geritten, die Hinterhand darf der Vorhand nicht vorausgehen, das innere Hinterbein tritt in Richtung Schwerpunkt vor.

Einfacher Galoppwechsel und Außengalopp

Der einfache Galoppwechsel ist ein Galopp-Schritt-Galopp-Übergang und gehört damit zu den versammelnden Lektionen. Der Übergang vom Galopp zum Schritt sollte sicher und weich erfolgen, nach 3 bis 5 klaren Schritten wird auf der anderen Hand bestimmt und im Bergauf angaloppiert.  Halbe Paraden bereiten das Pferd auf den Übergang zum Schritt vor, die Galoppsprünge werden verkürzt, sodass das Pferd bei energisch unterspringendem Hinterbein vermehrt Last aufnimmt. Nach dem Übergang zum Schritt geht der Reiter mit der Hand vor und bereitet das erneute Angaloppieren ebenfalls mit halben Paraden vor, das Pferd wird dem Galopp entsprechend gestellt und gebogen, um dann im Bergauf anzugaloppieren. Wichtig ist die Geraderichtung des Pferdes, damit der einfache Galoppwechsel gelingt.

Der Außengalopp gehört ebenfalls zu den versammelnden Lektionen und wird ab Dressurprüfungen Kl. L gefordert. Dabei wird das Pferd auf der rechten Hand im Linksgalopp geritten oder umgekehrt. Die Hilfengebung entspricht der des Angaloppierens und Galoppierens im Handgalopp. Häufige Handwechsel zwischen Hand- und Außengalopp verbessern die Geraderichtung. Wichtig auch hier ist der Sprungerhalt und die Balance in den Wendungen, dabei dürfen die Ecken der Bahn geringfügig abgerundet werden, der Reiter bleibt dem Handgalopp entsprechend auch im Außengalopp in Bewegungsrichtung sitzen, also im Linksgalopp wird der linke (innere) Gesäßknochen vermehrt belastet.
 

Kurzkehrtwendung

Die Kurzkehrtwendung erfolgt aus dem Mittelschritt und ist eine weitere versammelnde Übung ab Kl. L, bei der die Vorhand mit leichter Längsbiegung einen kleinen Halbkreis um die Hinterhand beschreibt. Das Pferd ist in Bewegungsrichtung gestellt und um den inneren Schenkel gebogen. Die Vorderfüße und der äußere Hinterfuß bewegen sich um den inneren Hinterfuß, der im Schrittrhythmus auf- und abfußt. Dabei treten die Vorderbeine vorwärts-seitwärts und kreuzen, die Hinterbeine dürfen nicht kreuzen oder stehenbleiben. Der klare Viertakt bleibt während der Wendung zu jeder Zeit erhalten. Durch halbe Paraden wird die Kurzkehrtwendung eingeleitet, der Reiter belastet vermehrt den inneren Gesäßknochen, stellt mit dem inneren Zügel das Pferd in Bewegungsrichtung und leitet die Wendung ein. Der innere Schenkel liegt vortreibend am Gurt, der äußere Schenkel verwahrend hinter dem Gurt. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass das Pferd sich biegt und die Hinterbeine im Viertakt aktiv abfußen. Der äußere Zügel begrenzt die Biegung und Stellung, gibt aber so viel nach, dass sich das Pferd ungehindert in die Richtung der Wendung bewegen kann. Häufig sitzt der Reiter zu sehr auf dem äußeren Gesäßknochen und wirkt zu stark mit dem äußeren Schenkel ein bei gleichzeitigem Einknicken in der inneren Hüfte. Dies hat Auswirkungen auf den Bewegungsablauf des Pferdes, da es zu einem Kreuzen der Hinterbeine, Verwerfen im Genick bis hin zu falscher Stellung, Zurücktreten oder Verlust des klaren Viertaktes führen kann.

Lektionen der Klasse L** und M

Die abgeschlossene Grundausbildung gilt als Voraussetzung für das Reiten von L**- und M-Lektionen. Die L-Lektionen werden bei entsprechender Durchlässigkeit beherrscht, Takt, Losgelassenheit und beständige Anlehnung sind Grundlage für die weiterführende Ausbildung. Schwung, Geraderichtung und Versammlung sind gemäß den Anforderungen der Kl. L vorhanden.  Ab Kl. L** werden Seitengänge und ab Kl. M* fliegende Galoppwechsel verlangt, die hier kurz vorgestellt werden (weiterführende Literatur: Richtlinien für Reiten und Fahren, Band 2: Ausbildung für Fortgeschrittene).

Seitengänge sind Vorwärts-seitwärts-Bewegungen mit gleichmäßiger Längsbiegung in entsprechender Versammlung. Als Seitengänge werden die Lektionen Schulterherein, Travers, Renvers und Traversale bezeichnet; Schultervor und Reiten-in-Stellung sind Vorübungen für das Schulterherein und damit für alle Seitengänge, die im versammelten Trab oder Galopp geritten werden.

Im Schultervor stellt sich der Reiter vor, in Längsbiegung in leichter Stellung geradeaus zu reiten. Dabei wendet er die diagonalen Hilfen (innerer Schenkel treibt an den äußeren Zügel) an und belastet den inneren Gesäßknochen vermehrt. Aus dem Schultervor wird das Schulterherein entwickelt, das als Ausgangspunkt für alle sich anschließenden Seitengänge gilt und DIE grundlegende Lektion der weiterführenden Ausbildung ist. Dabei wird die Vorhand soweit in die Bahn geführt, dass die äußere Schulter des Pferdes vor die innere Hüfte des Pferdes gerichtet ist (Vorderbeine kreuzen), die Hinterhand bleibt auf dem Hufschlag und bewegt sich nahezu geradeaus. Der innere Hinterfuß spurt in Richtung des äußeren Vorderfußes, das Pferd bewegt sich also auf drei Hufschlaglinien bei gleichmäßiger Biegung um den inneren Schenkel geschmeidig, ausbalanciert und kadenziert. Beendet wird das Schulterherein, indem die Vorhand wieder auf die Hinterhand eingerichtet wird. Im Schulterherein wird das innere Hinterbein zum weiteren Vortreten in Richtung unter den Schwerpunkt angeregt. Die Hüft- und Kniegelenke beugen sich, wodurch die Schulterfreiheit gefördert, der Schwung verbessert, die Längsbiegung gefördert, die Tragkraft der Hinterhand vermehrt beansprucht wird und somit die Versammlung verbessert und Schenkelgehorsam, Geraderichtung und Durchlässigkeit gefördert wird. Aus dem Schulterherein können Travers, Renvers und Traversalen erarbeitet werden.

Traversalen sind Vorwärts-seitwärts-Bewegungen im versammelten Trab oder Galopp. Das Pferd bewegt sich entlang einer gedachten diagonalen Linie möglichst parallel zur langen Seite. Kadenz und Bewegungsfluss sind wichtige Merkmale. Das Pferd bewegt sich auf vier Hufschlaglinien, da sowohl die Vorder- als auch Hinterbeine kreuzen. Dabei muss die Vorhand führen, die Hinterhand darf der Vorhand nicht vorausgehen. Die Abstellung und Längsbiegung richten sich nach der Diagonallinie, bei langgezogenen Traversalen sind Abstellung und Längsbiegung geringer als bei einer kürzeren, steileren Traversale.

Beim fliegenden Galoppwechsel springt das Pferd mit den Vorder- und Hinterbeinen gleichzeitig im Moment der freien Schwebe in erkennbarer Vorwärtstendenz, gelassen und fließend, geradegerichtet und im Bergauf um. Das Pferd galoppiert auf gerader Linie, ohne zu schwanken. Als Voraussetzung für den fliegenden Galoppwechsel müssen der versammelte Galopp, der einfache Galoppwechsel, der Außengalopp und die Übergänge im Galopp auf beiden Händen sicher und durchlässig beherrscht werden. Die Hilfe für den Wechsel wird direkt vor der freien Schwebe gegeben. Der Reiter bleibt im Oberkörper ruhig sitzen, die Schenkel werden umgelegt, wodurch die neue innere Hüfte beim losgelassen und ausbalancierten Reiter etwas nach vorn kommt und so den Wechsel auslöst. Unmittelbar vor dem Wechsel erfolgt ein geringfügiges Umstellen des Pferdes.

Mehr dazu finden Sie in BAYERNS PFERDE oder REITERJOURNAL Ausgabe 7/2021 »

Grundübungen für Parcours und Gelände

Parcoursspringen für Reitabzeichen
Moderne Parcours enthalten eine Folge von Einzelsprüngen, Kombinationen und Distanzen. Sobald einzelne Ausschnitte eines Parcours im Training sicher beherrscht werden, kann ein gesamter Parcours gesprungen werden, so wie er z. B. als Stilspringprüfung mit Standardanforderungen bei den Prüfungen zum Reitabzeichen 5–1 verlangt wird. In diesen Standardparcours wird – neben dem Springen von Einzelhindernissen, Hindernisfolgen mit festgelegten Distanzen und Kombinationen – das Reiten von Wendungen, Handwechseln und Übergängen verlangt. Dazwischen geschaltete Bodenrickreihen, die aus dem Trab geritten werden, fördern und zeigen die Durchlässigkeit des Pferdes. Wenn in einer Stilspringprüfung mit Standardanforderungen eine Hindernisfolge mit einer festgelegten Distanz vorgegeben ist, muss diese rhythmisch in der vorgeschriebenen Galoppsprungzahl geritten werden. Das kontrollierte Reiten im richtig gewählten Grundtempo bei rhythmischem Galoppieren, dem passenden Weg vor, zwischen und nach den Sprüngen im ausbalancierten und losgelassenen leichten Sitz, das geschmeidige Mitgehen in die Bewegung über dem Sprung, das sichere und harmonische Zusammenwirken der Hilfen und die durchlässige Reaktion des Pferdes sind die entscheidenden Kriterien für einen harmonischen Parcours. Dabei stehen Weg und Tempo in einem direkten Zusammenhang. Kurze Wendungen erfordern ein reduziertes, dem Grad der Wendung angepasstes Grundtempo, ohne den Fluss der Bewegung aufzugeben. Lange gerade oder flache gebogene Linien ermöglichen ein höheres Grundtempo. Die Bewertung beginnt mit dem Einreiten und endet mit dem Durchreiten der Ziellinie. Eine korrekte Grußaufstellung zu den Richtern hin sowie das Herausgebrachtsein und die Ausrüstung von Reiter und Pferd wirken sich positiv auf den Gesamteindruck.

Grundübungen im Geländereiten
Sobald eine gewisse Sicherheit im Grundsitz und in der Hilfengebung gegeben ist, kann das Reiten im Gelände integriert werden, da hier spielerisch und quasi automatisch die Balance geschult wird. Der Reiter lernt schneller und besser, mit der Bewegung des Pferdes mitzugehen, da er sich immer wieder neu ausbalancieren muss. Gleichgewicht, Losgelassenheit, Geschmeidigkeit und Geschicklichkeit werden geschult, das Vertrauen zwischen Reiter und Pferd wird gefördert und das Pferd wird gelassener gegenüber Außenreizen, die Motivation durch Abwechslung gesteigert. Das Reiten über Bodenwellen und Hügel in gleichmäßigem Tempo, das Bergauf- und Bergabreiten z. B. als wichtigste Übungen in der Grundausbildung bringen den Reiter unbemerkt zu einer verbesserten Schenkellage und einem festeren Knieschluss.
Beim Bergauf- und Bergabreiten wird bei vorgeneigtem Oberkörper der Pferderücken entlastet. Der sichere Halt im Steigbügel, verbunden mit einem nahezu senkrechten Unterschenkel, ist beim Bergauf- und Bergabreiten besonders wichtig. Die Hand geht sowohl beim Bergauf- als auch beim Bergabreiten tief am Hals in Richtung Pferdemaul vor, damit das Pferd seinen Hals als Balancierstange nutzen kann. Das Durchreiten von Wasserstellen sollte ebenso von Anfang an geübt werden, zunächst mit einem Führpferd und im Schritt, dann alleine, später im Trab und Galopp. Unterschiedliche Wasserein- und -aussprünge können im weiteren Ausbildungsverlauf integriert werden. Auch das Überwinden fester Hindernisse gehört zur vielseitigen Grundausbildung. Zunächst werden Baumstämme gesprungen, dann auch mobile Geländehindernisse, die vielseitig eingesetzt werden können. Durch das Springen fester Hindernisse wird das Pferd geschickter, trittsicherer, reaktionsschneller und beweglicher, der Reiter ausbalancierter, losgelassener und geschmeidiger. Im weiteren Training können dann Auf- und Absprünge, Tiefsprünge, Gräben, Wasserein- und -aussprünge, Hecken und andere geländetypische Hindernisse integriert werden.

Das Anreiten von Geländehindernissen erfolgt genauso wie das Anreiten von Hindernissen auf einem Springplatz. Die Faktoren Weg (gerade Linie zum Sprung), rhythmisches, passendes Grundtempo und Gleichgewicht von Reiter und Pferd greifen hier genauso, auch wenn die Gegebenheiten andere sind. Bei Aufsprüngen wird der Oberkörper mit entsprechend weiter nachgebendem Zügelmaß tief in Richtung Pferdemaul etwas mehr nach vorn geneigt, das Knie ist fest geschlossen und der Unterschenkel liegt am Gurt. Das Tempo ist etwas erhöht, um Schwung zu bekommen. Bei Absprüngen und Tiefsprüngen muss das Tempo vermindert werden. Das Aufnehmen der Galoppsprünge erfolgt durch vermehrtes „Platznehmen“ im Sattel, wobei der Reiter das Pferd vor den treibenden Hilfen behält. Bei allen Tiefsprüngen sind eine sichere Anlehnung, ein fester Knieschluss und das harmonische Mitgehen in der Bewegung entscheidend, um das Pferd in der Landephase im Rücken nicht zu stören. Bei Wassereinsprüngen bleibt auch in der Landephase der Oberkörper des Reiters nach vorn geneigt, das Zügelmaß wird so weit verlängert, dass sich das Pferd ausbalancieren kann.

Um an einem Geländeritt teilnehmen zu können, muss dann auch noch das Tempogefühl geschult werden, da z. B. in Vielseitigkeitsprüfungen der Kl. A das Grundtempo mit 500 m/min. höher ist als das Normaltempo im Galopp, das bei ca. 330–400 m/min. liegt.
Beim Geländeritt kommt es darauf an, in einer bestimmten Zeit eine Geländestrecke mit unterschiedlichsten Geländehindernissen möglichst harmonisch, kräftesparend und sicher zu überwinden. Dabei sind das gleichmäßige Grundtempo, gleichmäßiger Rhythmus und ein gut ausgebildetes Pferd mit einem ebenso ausbalanciert sitzenden Reiter von großer Bedeutung. Gegenseitiges Vertrauen und die Kondition von Reiter und Pferd sind elementare Bausteine für das Reiten im Gelände und den Geländeritt innerhalb einer Vielseitigkeit.  Wichtig ist auch, dass Reiter und Pferd genügend Zeit gegeben wird, die Geländehindernisse und das Reiten über diese kennenzulernen. Dann macht Geländereiten Spaß und bringt Abwechslung!

Mehr dazu finden Sie in Ausgabe 09/2020 von BAYERNS PFERDE und Reiterjournal »
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