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CHIO Aachen: Jessica v. Bredow-Werndl gewinnt auch Special und Kür, Dalera wird Dressurchampion 2023

BAYERNS PFERDE 02.07.2023

Drei Starts, drei Siege und damit erfolgreichstes Paar beim CHIO Aachen. Das brachte zusätzlich den Titel Dressur Champion Aachen 2023 ein, ein Sonderpreis für den Besitzer des punktbesten Pferdes in den CDIO-Prüfungen. Nach dem Grand Prix konnte Jessica v. Bredow-Werndl auch den Grand Prix Special im Sattel ihrer Trakehner-Stute für sich entscheiden. Doch es war denkbar knapp, teure Fehler ließen um den Sieg bangen. Ungewöhnlich für das Paar misslang die erste Piaffe, nach der Galopp-Pirouette klappten die fliegenden Wechsel nicht. Die Reiterin zauberte dann doch noch sieben statt der vorgegeben neun hin, doch die Note wurde davon deutlich gedrückt – 4,4. Doch demgegenüber standen ausdruckstarke Trabverstärkungen, in Stellung und Biegung vorbildliche Galopptraversalen und Passagen, die auch die Bundestrainerin Monica Theodorescu besonders lobte. Schließlich wurden es erneut über 80 Prozent: 81,021 Prozent, die für den Sieg ausreichten. Das kritische Fazit der Reiterin: „Ich habe zwei falsche Entscheidungen getroffen, die in zwei teuren Fehlern mündeten, meine Fehler. Vor der ersten Piaffe habe ich den versammelten Schritt zu sehr versammelt, dann den Übergang nicht gut geritten.“

Die misslungenen Wechsel zwischen den Pirouetten seien vielleicht auch wegen mangelnder Grand Prix Special Routine entstanden, denn es war der erste seit den Europameisterschaften 2021. Und: „Nach der ersten Pirouette habe ich zu lange gewartet mit der Wechselhilfe, da hat sie vielleicht gedacht, dass nur ein Wechsel kommt.“Knopf im Ohr?

Für Diskussionen sorgte etwas Schwarzes, dass im Ohr der Reiterin zu sehen war. In Der Prüfung sind Hilfsmittel wie ein Coachphone verboten. Die 37-Jährige hatte es zunächst nicht bemerkt, doch der Steward hatte es gesehen. Von Bredow-Werndl erklärte später, dass beim Herausnehmen des Coachphones der untere Teil abgebrochen und in der Ohrmuschel hängen geblieben sei. Zur Veranschaulichung brachte sie die Überreste in die Pressekonferenz mit.

Zweite wurde die Britin Charlotte Dujardin mit dem zehnjährigen Everdale-Sohn Imhotep (80,787). Der Wallach, der im Besitz von Carl Hester ist, wird zunehmend sicherer und ausdrucksstarker. Besonders mit raumgreifenden Trabverstärkungen und den Passagen weiß er zu begeistern.

Die Führung im Nationenpreis konnte Deutschland bis zum Schluss halten, das deutsche Team gewann mit 468,25 Punkten vor den Dänen (460,097) und den Briten (459,756).

Am letzten Tag des CHIO stand dann die Kür auf dem Programm. Und bei dieser sah man sehr viel schönes Reiten, das auch belohnt wurde von den Richtern. Mit ihrer Edith Piaf-Kür im Hinblick auf Paris war Jessica von Bredow-Werndl erneut unschlagbar. Erst kürzlich gewann sie damit die Deutsche Meisterschaft in Balve, und auch in Aachen war sie damit das Maß der Dinge. Wieder mit über 90 Prozent. Galopp-Pirouetten auf engstem Kreis mit maximaler Lastaufnahme, mutig nach vorne gerittene Galoppverstärkung, harmonische Traversalen und alles bei kaum sichtbaren Reiterhilfen.

Doch die Konkurrenz schläft nicht, was es vor allem in Hinblick auf die Europameisterschaften in Riesenbeck spannend macht. Nach ihren 90,820 Prozent bekommt Dalera jetzt bis dahin Pause, geht ausreiten in den Wald, Kondition erhalten aber viel Seele baumeln lassen.

Zweite wurde die Dänin Nanna Skodbold Merrald mit Zepter. „Time to say Goodbye“ erklang von Andrea Bocelli, doch das Paar zeigte, das ist erst der Anfang. Die Kür hob besonders die Harmonie von Reiterin und Pferd hervor und bestach durch feine Abstimmung, Lockerheit und einen stets durch den Körper arbeitenden Zepter – 88,73 Prozent. Dritte wurde Charlotte Dujardin im Sattel von Imhotep, beide in Topform nach der Babypause der jungen Mutter. Es war erst die dritte Kür für den zehnjährigen Everdale-Sohn, die Kür von Valegro. Für die Europameisterschaft soll er allerdings seine eigene Musik bekommen. 88,415 Prozent wurden es für das Paar. Auch für Imhotep heißt es nun entspannen bis zur nächsten großen Aufgabe. Zuhause in England lebt er Vollzeit auf der Weide mit einem Kumpel, „das braucht er, so ist er zufrieden und wird nicht so wild“, verriet seine Reiterin.Hickstead White unter Jörne Sprehe erneut fehlerfrei

Im Parcours hat einer auch im vierten Springen wieder abgeliefert: Der zwölfjährige Hickstead White unter Jörne Sprehe ließ sich auch in seinem vierten Parcours von nichts irritieren und legte eine einwandfreie Nullrunde hin. Im Springen über 1,45 Meter wurde er Achter. Damit blieb er über die ganze Woche ohne Springfehler, eine enorme Leistung für den Hengst, der auf solch großen Schauplätzen bisher noch gar nicht so viel Erfahrung gesammelt hat. (mj)Alle Ergebnisse finden Sie hier.