Aktuelles

Interview mit Jonny Hilberath: "Den Pferden muss es gut gehen, dafür muss alles getan werden!"

BAYERNS PFERDE 06.02.2025

In den letzten Tagen war es wieder soweit: Jonny Hilberath besuchte den Seniorenkader von Bayern. Dieses Mal hatte das Bundestrainer-Duo den „Spieß“ rumgedreht. So kümmerte sich Jonny Hilberath um die Mitglieder des bayerischen A-Kaders und Monica Theodorescu wird mit dem Perspektivkader trainieren. BAYERNS PFERDE hat sich mit Jonny Hilberath über seine Eindrücke von den bayerischen Reitern und seine Erwartungen für das bevorstehende Weltcup-Finale gesprochen.

Jedes Jahr besuchen Sie und Monica Theodorescu die Reiter in Bayern und Baden-Württemberg. Wieso sind Ihnen als Bundestrainer-Duo die Trainingsbesuch in den einzelnen Bundesländern wichtig?

Wir wollen den Ist-Zustand erfahren. Man kennt die Reiter natürlich vereinzelt. Den gesamten Kader hat man selten im Gesamten vor Augen. Ich kenne mich mittlerweile in Bayern recht gut aus und habe schon einen guten Überblick. Dennoch mache ich das immer sehr gerne, da es unglaublich interessant ist die Entwicklung und Fortschritte der Paare mitzuerleben und sie gewissermaßen zu begleiten.

Wie war Ihr Eindruck von den bayerischen Reitern?

Ich war recht angetan. In den vorherigen Jahren hatten Monica und ich es so gehandhabt, dass Monica das bayerische A-Kaderteam besucht und ich den Perspektivkader betreue. In diesem Jahr haben wir das getauscht. Ich kannte im Grunde genommen alle und hatte sie teilweise, wie beispielsweise Yara Reichert und Raphael Netz, schon betreut. Und doch muss ich sagen waren die Tage sehr effektiv. Wir konnten an Dingen, die man sich schon erarbeitet hatte, anknüpfen. Wir hatten eine gemeinsame Sprache. Aus meiner Sicht war es ein sehr guter Lehrgang. Bayern hat sehr gutes Pferdematerial und die Reiter waren auch sehr diszipliniert sowie engagiert. Es war eine sehr angenehme und konstruktive Arbeit. Auch erfreulich war, dass eine U25-Reiterin teilgenommen hat. Katharina Schuster hat an einem Tag einen Platz bekommen. Ihr Training war sehr erfreulich und vielversprechend. Vielleicht können die U25-Reiter zukünftig bei diesen Trainingstagen auch mitgezogen werden. Bayern hat hier in diesem Bereich ebenso vielversprechende Paare. Zudem muss ich die Vorbereitung und Organisation auf der Reitanlage Waldhauser Hof unter dem Schirm von Uwe Schwanz hervorheben. Es war einmal mehr toll organisiert und vorbereitet. Wir werden dort immer sehr gut betreut und es ist ein sehr angenehmes Arbeiten. Das ist keine Selbstverständlichkeit und macht die Reise nach Bayern immer sehr angenehm!

Was ist Ihnen an solchen Trainingstagen besonders wichtig?

Ich persönlich stelle eigentlich immer die Frage „Was kann ich für Dich tun?“, also was ist dem Reiter wichtig. Abgesehen davon, dass ich Defizite und Schwächen immer schnell erkenne. Ich versuche das Training für den Reiter immer möglichst nützlich zu gestalten. Letztendlich ist immer wieder die Basis entscheidend, dass man sich mit dieser noch konsequenter und präziser beschäftigt. Beispielsweise die Pferde der bayerischen Trainingstage sind alle bis Grand Prix ausgebildet. Hier ging es vor allem auch um das Feintuning. Ich hoffe auch, dass ich den Reitern bei den Trainings immer Denkanstöße mitgeben kann, egal wie routiniert und erfahren sie vielleicht sind. Das Auge von außen ist glaube ich immer hilfreich und wichtig.

Blicken wir auf Ihre Tätigkeit im Bundestrainer-Team: Wie hat sich Ihre Arbeit im Bundestrainer-Team über die Jahre verändert? Sie bilden nun schon seit 13 Jahren mit Monica Theodorescu ein starkes Team.

Der internationale Sport hat sich unglaublich weiterentwickelt. So ist es einfach eine Notwendigkeit geworden, die kleinen Stellschrauben zu bedienen. Das Training generell ist noch detaillierter und präziser geworden, so dass man am Ende einfach sehr gut performen kann. Das ist uns in Paris meiner Meinung nach sehr gut gelungen.

Also machen sich heute sowohl die Trainer als auch die Reiter noch mehr Gedanken über ihren Partner Pferd, gar steht das Wohlbefinden der Pferde heute mehr denn je im Zentrum. Was sagen Sie vor diesem Hintergrund zu den aktuellen Diskussionen oder besser gesagt den Kritiken gegen den Dressursport?

Im Grund genommen können wir nur mit unseren Leistungen argumentieren. Ich kann nur für meine Person sprechen: Es war mir Zeit meines Berufslebens ein großes Anliegen, dass es den Pferden wirklich gut geht. Da bin ich auch sehr konsequent. Mit den Reitern bin ich auch immer sehr streng. Denn der Mensch hat es sich selbst ausgesucht, sich aufs Pferd zu setzen. Dem Pferd muss es gut gehen und dafür muss auch alles getan werden. Das ist letztendlich auch der Trainingsinhalt, weil das erzeugt letztendlich Vertrauen und Harmonie. Das ist das, was ich und auch meine Schüler praktizieren. Ich finde es gut, dass der Blick von außen drauf geworfen wird. Es fehlt mir oft an Fachwissen und Kompetenz, gerade bei vielen Kommentaren. Generell ist ein Auge von außen, sowohl positiver als auch kritischer Art, immer gut und wichtig. Es bringt uns letztendlich auch weiter.

Ihr nächstes Großereignis ist sicherlich das Weltcup-Finale in Basel. Mit welchen Erwartungen und Zielen reisen Sie nach Basel?

Im Grunde genommen fahren wir immer gerne nach Basel und auch zum Weltcup-Finale, um schlussendlich auch als Sieger des Championats nach zu Hause kommen (lacht). Daran arbeiten wir intensiv. Die Deutschen stehen im Weltcup-Ranking schon sehr gut da. Zumal wir immer nur drei Reiter pro Nation mitnehmen dürfen. Für Deutschland ist das immer eine spannende und aufwändige Geschichte. Man muss immer viel reisen, um eben seine Punkte zu sammeln und letztendlich beim Finale dabei sein zu dürfen. Die Konkurrenz hebt das Niveau. Wenn man sich im Winter und Frühjahr mit der gesamten Performance beschäftigen kann, hat das im Grunde genommen auch positive Auswirkungen auf die gesamte Saison.

Und zum Abschluss, können Sie mir den folgenden Satz vervollständigen: Das Jahr 2025 wird…

Insofern ein gutes Jahr, als das wir einen Generationswechsel bei unseren Pferden haben. Wir haben sehr spannende Pferde in der Pipeline. Unsere Kaderreiter haben alle wirklich sehr gute und talentierte Pferde in den Ställen, die auch schon teilweise die Jungpferde-Grand-Prix-Tour gegangen sind. Insofern bin ich in freudiger Erwartung auf das, was in diesem Jahr auf uns zukommen wird.