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Samstag, 14.01.2023 um 19:18

Basel: Benjamin Werndl und Daily Mirror tanzen ein letztes Mal

© honorarfreie Nutzung des Bildes

Ein letztes Mal tanzen sie gemeinsam durchs Viereck – Benjamin Werndl verabschiedet seinen treuen Wegbegleiter Daily Mirror mit der Weltcup-Kür beim CHI Classics in Basel an diesem Sonntag von der großen Bühne des Dressursports. „Er ist topfit und hat es verdient, gesund in Rente zu gehen“, sagt der 38-Jährige. „Er trabt wie ein Junger und ich könnte nicht stolzer auf ihn sein.“ Das Turnier in Basel ist zudem der perfekte Ort für den letzten gemeinsamen Auftritt: Denn Daily Mirrors Besitzerin Flora Keller ist Schweizerin.

Sie hat ihn siebenjährig durch einen Zufall entdeckt. Eigentlich wollte Flora Keller damals kein Pferd kaufen, sondern nur an einem Lehrgang teilnehmen. Doch, wie das Schicksal so spielt, als der Damon Hill-Sohn in die Reithalle kam, änderte sich dies prompt. „Ich habe noch nie so ein wunderschönes Pferd gesehen“, sagte sie damals. Holga Finken probierte den Rappen, war begeistert, der Kauf wurde besiegelt. Der Ausbilder aus Lienen war es auch, der Daily Mirror von 2014 bis 2015 auf Turnieren vorstellte. Siegreich auf Dreisterne-Niveau kam der aus Fiedergirl II, eine Vollschwester zu Fidermark, gezogene Bewegungskünstler zu Benjamin Werndl nach Aubenhausen. Zunächst, um sich von einer Verletzung zu erholen und im Aquatrainer wieder langsam aufgebaut zu werden. Doch dann wurde der Werndl’sche Hof zu seinem festen Zuhause. Im Stall hatte er seinen Spitznamen schnell weg: „Ken“, weil er so hübsch ist. Im Umgang ist er ein wahrer Gentleman. „Er ist so sanft und lieb, wenn ein Kind vor ihm steht, würde er niemals einen falschen Schritt machen“, schwärmt Benjamin Werndl, „dazu ganz sensibel, feinfühlig und intelligent“. Im Sattel hat es gleich gefunkt. Es folgten einige Grand-Prix-Siege. Bei den Deutschen Meisterschaften 2018 in Balve wurde das Paar Siebter im Grand Prix und Fünfter im Grand Prix Special sowie in der Kür. Im selben Jahr gewannen sie die Weltcup-Kür in Budapest, sowie den Grand-Prix und die Kür in Salzburg.

 

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Im März 2019 erreichten die beiden in ‘S-Hertogenbosch ihr Personal Best sowohl im Grand Prix als auch in der Kür. Es folgten zahlreiche weitere tolle Erfolge wie die Siege in Göteborg, Hagen und Zakrzow im Grand Prix. Schon damals sagte Benjamin Werndl über Ken: „Er ist das beste Pferd, auf dem ich je gesessen habe.“ Nachdem die Saison 2021 super gestartet hatte, dann der Schreck: Beim Sichtungsturnier auf dem Schafhof Im Juni 2021 verletzte sich Daily Mirror und konnte nicht am Quarantäne-Trainingslager für die Olympischen Spiele in Tokio teilnehmen. Das Paar war als zweites Reservepaar vorgesehen gewesen. Fast ein Jahr musste der Rappe pausieren. Doch im Mai 2022 meldete er sich fit und frisch mit zwei Siegen im ungarischen Mariakalnok zurück. Dort gewann er zunächst den Kurz Grand-Prix und dann die Kür. Seither zeigt er sich wieder in Topform, dazu hochmotiviert. Im Grand-Prix in der St. Jakobshalle trabte er elastisch über die Diagonale, die Ohren gespitzt, mit leuchtenden Augen – einfach in seinem Element. Dieses Bild möchten Benjamin Werndl und Flora Keller bewahren, auch wenn die Entscheidung schwerfällt. Doch vielleicht startet der sanfte Riese nach seiner Dressurkarriere eine Zweitkarriere als Kinderpferd. Wer weiß. Vielleicht trägt er dann demnächst gemeinsam mit Jessica v. Bredow-Werndls Rentner Unee, der bereits in seiner Aufgabe als Lehrmeister aufgeht, die Kinder durch Aubenhausen. (mj)

 

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