Paris: Viel Licht aber auch Schatten im Gelände - Perfektion pur bei Michi Jung
Sie haben es geschafft - im Sattel von fischerChipmunk zeigte Michael Jung im Schlosspark von Versailles einen Geländeritt der Extraklasse. Perfektion pur bekamen die rund 40 000 Zuschauer vor prächtiger Kulisse bei strahlendem Sonnenschein zu sehen, als der Reitmeister mit dem 16-jährigen Contendro I-Sohn geradezu über die Sprünge des Cross flog. " Die beiden tanzen durch den Schlosspark", so Kommentator Carsten Sostmeier. Am Ende ritten Jung und ein, in bestechender Form galoppierender, fischerChipmunk problemlos innerhalb der Bestzeit ins Ziel und führen dank dieser Spitzenleistung das Feld vor dem morgigen Springen mit einem Dressurergebnis von 17,8 Punkten auf Goldkurs an. Ebenfalls stark und sehr sicher unterwegs war die, bis dato führende Britin, Laura Collett mit London- bei ihr schlugen allerdings 0,8 Zeitfehler zu Buche was aktuell 18,3 Punkte und Platz zwei bedeutet.
Der faire und gut zu reitende, von Pierre Le Goupil mit viel Blick fürs Detail in den Schlosspark von Versailles eingebettete, Geländekurs der Olympischen Spiele 2024 war neben sehr ansprechend gestalteten Hindernissen und einer harmonischen Linienführung geprägt vom Spiel aus Licht und Schatten und dem Wechsel zwischen freien und bewaldeten Flächen. „Ein Feuerwerk hippologischer Emotion“, so kommentierte Sostmeier fast schon poetisch die Atmosphäre und die Stimmung rund um den gelungengen Geländetag, der in vielerlei Hinsicht eine Werbung für den Sport war. Licht und Schatten prägten allerdings auch die Ritte des deutschen Teams. Während Julia Krajewski im Sattel des zehnjährigen Nickel ein absoluter Volltreffer gelang und die Olympiasiegerin von Tokio 2021 ihrer Rolle als Pfandfinderin mehr als gerecht wurde, schied Christoph Wahler mit seinem Schimmel Carjatan nach einem guten Auftakt, dann allerdings, mit einem glücklicherweise glimpflichen, Sturz an Sprung 16 aus. Aufgrund des neuen Reglements hat er dennoch die Möglichkeit im morgigen Springen an den Start zu gehen – die Team-Medaille ist nach dem heutigen Tag mit 200 zusätzlichen Punkten allerdings in nahezu unerreichbare Ferne gerückt. Krajewski und Nickel absolvierten den Cross mit lediglich 4,8 Zeitfehlern wie an der Schnur gezogen und belegen mit dieser starken Leistung und 31,7 Punkten aktuell Platz 14.
Auf den Bronze-Rang im Einzel-Ranking konnte im Gelände der Australier Christopher Burton mit 22 Punkten nach vorn reiten.
Sensationell lieferte auch Felix Vogg aus Überlingen ab. Er pilotierte seinen elfjährigen Fuchswallach Dao de l´Ocean für die Schweiz souverän innerhalb der Bestzeit durchs Gelände und hat so mit 22,1 Punkten und Platz vier eine Medaile in greifbarer Nähe. Das Schweizer Team geht mit 102,4 Punkten ebenfalls vom vierten Platz aus ins Springen.
Das Team-Ranking führt nach dem heutigen Cross Großbritannien (82,5) vor Gastgeber Frankreich (87,2) und überraschend den starken Japanern (93,8) an.
Morgen geht es ab elf Uhr im Parcours zunächst um die Teamwertung und ab 15 Uhr um die Medaillen in der Einzelwertung - das Spannungslevel bleibt also hoch! (Foto: Lafrentz)