Über die "Nachwehen" einer Großveranstaltung: Auf ein Wort mit Pferdewirtschaftsmeister und Turnierleiter Uwe Schwanz
Beste Stimmung, ein hochmotiviertes Team und hochkarätige Reiter-Pferde-Paare: Zum Saisonauftakt stellte Uwe Schwanz mit seinem Team auf dem Waldhauser Hof in Sauerlach ein Dressurturnier auf die Beine, das sich sehen lassen konnte. Doch hat der Pferdewirtschaftsmeister auch ein paar kritische Töne angemerkt. Dabei geht es in erster Linie um die „Nachwehen“ einer derartigen Veranstaltung.
„Ich hätte mir nach all den Jahren, in denen wir jetzt schon derartige Groß-Veranstaltungen organisieren, etwas mehr Eigendynamik bei den Aktiven gewünscht. Das betrifft auch die Finanzierung, da wird die Akquise von Geldern sowohl bei den Sponsoren als auch bei den Reitern immer schwieriger. Dabei wird bei uns sehr großzügig platziert und auch Geldpreise werden bis zum letzten Platzierten vergeben. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Ein Großteil der Geldpreise wird von unseren Mitgliedern, Kunden und Freunden getragen, auf die ich mich verlassen kann.
Darum ist es für mich ehrlich gesagt nur schwer nachvollziehbar, warum so viele Reiter nach Österreich wie zum Beispiel Stadl Paura fahren und dort ohne Geld starten. Das sind dann Starter, die hier einfach fehlen und das tut manchem Veranstalter schon ein bisschen weh. Zudem müssen wir aufpassen, dass wir keine österreichischen Verhältnisse in Sachen Starterzahlen bekommen, also Prüfungen mit nur zwei oder drei Teilnehmern. Das sind ja keine „echten“ Platzierungen gegen entsprechende Konkurrenz.
Allgemein sehe ich diese professionellen Turnierveranstalter, bei denen gilt „Hinfahren, Reiten, Heimfahren“ eher kritisch. Das untergräbt langfristig die Turniere, die von Vereinen wie uns mit ganz viel Herzblut, Arbeit, Zeit und Geld auf die Beine gestellt werden. Der finanzielle Aufwand, der hinter so einem Turnier steht, ist gewaltig. Allein das Aufstellen der Gastboxen ist sehr teuer, dazu kommt unter anderem die Bereitstellung von Strom, Sägespänen sowie der ganzen Absperrungen. Die Preise für Boxen und Strom sind für den Veranstalter im besten Fall ein Durchlaufposten.
Wir haben ja nicht unendlich viel Platz, darum telefoniere ich im Vorfeld mit jedem einzelnen Reiter, der mit einem LKW anreist, um diesem bereits den entsprechenden Parkplatz zuzuweisen.
Zudem achten wir auf ganz viele Details, um den Reitern ihre Starts so angenehm wie möglich zu machen. Wir haben in beiden Hallen neue Böden aufgebracht, alles mit Blumen dekoriert und ein kleines Buffet am Eingang sowohl für die Zwei- als auch für die Vierbeiner angeboten. Schließlich möchten wir ein schönes Ambiente schaffen mit Turniercharakter. Außerdem wollen wir uns mit unseren Events abheben von der Masse und keine 08/15-Turniere anbieten.
Nicht zu vergessen, dass unsere Mitglieder eine Woche vor der Veranstaltung schon sehr viel Rücksicht aufgrund der Vorbereitungen nehmen müssen. Und während des Turnierbetriebs ist der Reitbetrieb sowieso lahmgelegt, damit die Aktiven optimale Bedingungen vorfinden.
Da die meisten von ihnen selbst an den Start gehen, ist der Trainingsaufwand entsprechend groß. Leider komme ich wegen der vielen Arbeit in dieser Woche kaum zum Unterricht geben, geschweige denn dazu, selbst in den Sattel zu steigen.
Und wenn dann auch noch die zur Verfügung gestellten Sägespäneballen in den Stallzelten gestohlen werden, dann ist das auch ein zusätzlicher finanzieller Verlust. Da würde ich mir schon einen etwas respektvolleren Umgang miteinander wünschen.
Inzwischen ist das Angebot mit ***-Prüfungen in Bayern so hoch, dass die Wertschätzung bei den Aktiven offensichtlich nicht mehr so groß ist. Bei uns ist zwar die Qualität der Starterfelder und Anzahl der Teilnehmer überdurchschnittlich, da befinden wir uns in Bayern absolut im grünen Bereich. Und darum ziehen wir dieses Jahr unser Sommerturnier noch durch, aber wie die Zukunft aussieht, das wird man sehen.“