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von Mona-Sophie Wieland am Samstag, 27.12.2025 um 07:00

„Richter haben einen klaren Erziehungsauftrag“

Im Rahmen des Frankfurter Festhallen Reitturniers hat BAYERNS PFERDE mit der Dressur-Richterin Katrina Wüst ein Interview geführt.  /  © Lafrentz

Katrina Wüst kennt die Dressurvierecke dieser Welt. Zunächst saß sie selbst im Sattel, mittlerweile ist sie eine der führenden Fünf-Sterne-Richterinnen. Bewegt hat sie im Dressursport viel, besonders im Kürreiten. Im Rahmen des Frankfurter Festhallen Reitturniers haben wir uns mit der Bayerin über die Finals, die aktuellen Entwicklungen des Dressursports und die Verantwortung von Richtern unterhalten.

Frankfurter Festhallen Reitturnier, Jahresabschluss, Weihnachtscountdown und eine Reihe wahrlich besonderer Finals – was bedeutet es Ihnen persönlich, beim Frankfurter Festhallen Reitturnier als Richterin dabei zu sein?

Es bedeutet mir sehr viel, in Frankfurt richten zu dürfen. Wenn die Einladung kommt, ist die Freude jedes Mal groß. Mit dem Nürnberger Burg-Pokal beheimatet Frankfurt eine Serie von immenser Bedeutung für unseren Sport, sozusagen die inoffizielle Deutsche Meisterschaft der 7- bis 9-jährigen Dressurpferde, aus der schon so manches Championatspferd hervorgegangen ist. Hier sind nur Sieger oder Zweitplatzierte aus den Qualifikationen am Start – und dementsprechend anspruchsvoll ist diese Prüfung zu richten. Dazu kommt das Finale des Louisdor-Preises, gewissermaßen die Fortsetzung des Nürnberger Burgpokals auf Grand-Prix-Ebene, auch in diesem Jahr mit einem starken Starterfeld. Neu ist zudem das Top-12-Finale mit den derzeit weltbesten Pferd-Reiter-Kombinationen – ein Aufeinandertreffen, das außerhalb von Championaten Seltenheitswert hat. Darüber hinaus besticht das Turnier durch eine ganz besondere Atmosphäre: Die Festhalle gleicht einem Theater – eindrucksvoll, einzigartig und in dieser Form unvergleichlich. Und zu den Finals meist ausverkauft.

Sie haben es bereits angesprochen: Welche Prüfung stellt aus richterlicher Sicht die größte Herausforderung dar?

Das Finale des Nürnberger Burgpokals zu richten, ist ohne Zweifel eine enorme Herausforderung. Spitzenpferd folgt auf Spitzenpferd – die Besten der Besten mit hoch erfahrenen Reitern. Technisch liegt diese Prüfung zwischen den S-Dressuren für siebenjährige Pferde und einer mittelschweren S-Dressur, wobei kleinere Unsauberkeiten häufig noch etwas großzügiger betrachtet werden. Die Qualität der Pferde und die korrekte Ausbildung stehen jedoch stets im Mittelpunkt. Oft entscheiden am Ende Nuancen über den Sieg. Hier ist höchste Konzentration auf jedes Detail erforderlich, wenngleich die Entscheidung in diesem Jahr zwar vergleichsweise klar ausgefallen ist. Solche Prüfungen zu richten, ist eine große Freude … wobei der Adrenalinspiegel dabei schon mal steigen kann …

Bleiben wir bei den jungen Pferden: Wie hat sich das Niveau in den beiden Serien in den vergangenen Jahren entwickelt?

Der Nürnberger Burg-Pokal wie auch der Louisdor-Preis waren immer von Qualitätspferden geprägt, wenngleich es über die Jahre hinweg unterschiedlich stark besetzte Jahrgänge gab. Im Finale des Burgpokals und nach der Einlaufprüfung im Louisdor-Preis zeigte sich jedoch eine erfreuliche Breite an Qualität. Betrachtet man die Entwicklung der vergangenen zehn bis zwölf Jahre, ist diese Breite kontinuierlich gewachsen. Bedauerlich ist allerdings, dass nach den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde immer wieder Pferde an ausländische Käufer oder Eltern von Junioren/Jungen Reitern verkauft werden, wodurch sich das Potenzial für die weiterführenden Prüfungen in Richtung Grand Prix reduziert.

Worauf achten Sie bei der Bewertung junger Pferde besonders?

Ein junges Pferd mit drei taktsicheren Grundgangarten sollte sich in guter Eigenbalance, losgelassen und in Harmonie mit seinem Reiter freudig vorwärtsbewegen. Es sollte über einen funktionellen Körperbau verfügen und gemäß der Trainingsskala ausgebildet sein. Ab der Klasse M und S spielt die Versammlungsbereitschaft eine immer größere Rolle, die dann letztendlich zu der gewünschten Sicherheit in schweren Lektionen führt. In den Louisdor-Prüfungen legen wir zusätzlich noch besonderen Wert auf Talent für Piaffe und Passage.

Wie hat sich das Richten Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren verändert?

Im Vergleich zu vor etwa 8–10 Jahren wird heute in der Breite deutlich mehr Wert auf Anlehnung und Losgelassenheit gelegt. Betrachtet man die Entwicklung historisch, so standen in den 1960er-, 70er- bis in die 80er-Jahren insgesamt weniger Pferde mit hoher Grundqualität zur Verfügung als heute. Dieser Mangel wurde damals zum Teil durch aufwändige reiterliche Einwirkung kompensiert. Mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Zucht nahm die Qualität der Pferde sowohl in der Breite als auch in der Spitze deutlich zu. Zeitweise jedoch – insbesondere in der Ära des berühmten Hengstes Totilas – wurde die Qualität der Bewegung bei vielen Pferden stärker gewichtet als Losgelassenheit und Durchlässigkeit. In den vergangenen Jahren hat hier ein Umdenken stattgefunden, nicht durch pauschale Ablehnung des Reitsports, wie sie gelegentlich in sozialen Medien zu beobachten ist, sondern durch sachliche, fachlich fundierte Kritik. Themen wie enge Hälse, Maulprobleme und mangelnde Durchlässigkeit rückten wieder stärker in den Fokus. Heute steht die Harmonie zwischen Reiter und Pferd in Verbindung mit hochwertiger, durchlässiger Bewegung an oberster Stelle.

Kommen wir zum Top-12-Finale: Wie bewerten Sie das Niveau der Prüfung und die Entscheidung zwischen Spitzenpaaren?

Zunächst einmal bereitet es große Freude, diesen Grand Prix zu richten. Ich hatte in diesem Jahr bereits die Europameisterschaften bewertet, und von den ersten fünf Platzierten dieses Championats sind vier hier in Frankfurt. Leider unterliefen der EM-Zweiten, Cathrine Laudrup-Dufour, im Grand Prix ein paar kleinere Fehler. Die Entscheidung entwickelte sich zu einem Zweikampf zwischen Isabell Werth und Justin Verboomen – gewissermaßen zwischen Power und Leichtigkeit. Es war schon vom Feinsten, was Isabell Werth und die Stute präsentierten. Ihre Piaffen waren von hoher Qualität, und Wendy ist sichtbar in ihren Körper ‚hineingewachsen‘. Ich habe sie selten so überzeugend gesehen. Diese Leistung war für meine Bewertung ausschlaggebend – nicht etwa die nationale Zugehörigkeit. Zonik Plus zeigte sich sehr leichtfüßig und überzeugend, allerdings empfand ich seine Piaffen im Grand Prix als etwas weniger gesetzt. Hier hatte Wendy klare Vorteile. In der Kür konnte wiederum Justin Verboomen seinen Zonik Plus so geschickt in Szene setzen, dass er mit einem hauchdünnen Vorsprung siegen konnte – diesmal vor Cathrine Dufour auf Mount St. John Freestyle mit einer höchst kreativen Choreografie und ebenfalls nahezu fehlerfrei. Beide mit persönlichen Bestnoten von über 91 Prozent! Isabell Werth kam trotz einer sensationellen Passage-Piaffe-Tour nach Wechselfehlern nicht an das führende Duo heran, konnte aber zeigen, was in ihrer Stute Wendy steckt. Ein Weltklasse-Trio, das in Frankfurt Maßstäbe setzte.

Was macht Justin Verboomen und Zonik Plus derzeit so erfolgreich?

Die Leichtigkeit dieses Paares ist außergewöhnlich und beeindruckt nachhaltig. Im direkten Vergleich brachte Wendy im Grand Prix zwar etwas mehr Dynamik mit, doch genau diese unterschiedlichen Stärken gilt es gegeneinander abzuwägen. Bleiben beide Paare fehlerfrei, liegen sie leistungsmäßig sehr eng beieinander. Justin Verboomen sitzt ausgesprochen harmonisch im Sattel und agiert mit nahezu unsichtbaren Hilfen. Bei Isabell hingegen ist erkennbar, dass sie die große Dynamik ihres Pferdes bewusst etwas aktiver herausreitet. Letztlich ist es auch eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man der Power oder der scheinbaren Mühelosigkeit den Vorzug gibt.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung im internationalen Dressursport?

Grundsätzlich sehr positiv. Immer mehr Länder entwickeln Interesse und Engagement für den Dressursport. Aktuell ist insbesondere im Mittleren Osten und in Asien eine Aufbruchstimmung zu spüren, auch wenn dort das Niveau noch nicht unserem entspricht. Unser Standard basiert unter anderem auf der guten Zucht sowie auf etablierten Serien wie dem Nürnberger Burg-Pokal, dem Louisdor-Preis und dem Piaff-Förderpreis für den Nachwuchs. Deutschland ist im Nachwuchsbereich äußerst breit aufgestellt, doch andere Nationen holen auf. Als Richter tragen wir dazu bei, Richter und Stewards in Entwicklungsländern zu fördern, indem wir internationale Schulungen für Offizielle durchführen. Diese ausländischen Richter/Stewards wirken wiederum als Multiplikatoren in ihren Heimatländern. Die Entwicklung ist sehr erfreulich und wird aktiv unterstützt.

Welche Verantwortung tragen Richter in diesem Prozess?

Richter tragen eine große Verantwortung, jedoch nicht die alleinige. Ich widerspreche der Auffassung, dass Reiter ausschließlich so reiten, wie es von den Richtern vorgegeben wird. Die tägliche Ausbildung eines Pferdes erfolgt in erster Linie im Zusammenspiel mit den Trainern, die den Ausbildungsweg maßgeblich prägen. Die Aufgaben von Trainern und Richtern ähneln sich insofern, als beide analysieren, bewerten und Verbesserungspotenziale erkennen. Während Trainer taktische und methodische Anweisungen geben, übersetzen wir Richter unsere Beobachtungen in Noten. Dennoch liegt der Ursprung des Reitens im korrekten Training. Unsere Verantwortung als Richter besteht darin, klare Maßstäbe anzulegen. Wird ein Pferd unausgeglichen, unsachgemäß oder entgegen den Grundsätzen der Ausbildungsskala geritten, müssen wir dies deutlich in unseren Noten zum Ausdruck bringen. In diesem Sinne haben Richter einen klaren erzieherischen Auftrag.

Das komplette Interview lesen Sie in der nächsten BAYERNS PFERDE. Wir klären die Fragen, wo Katrina Wüst im Moment die größten Missverständnisse in der öffentlichen Wahrnehmung sieht und wie ihrer Meinung nach nun gehandelt werden sollte.

Mona-Sophie Wieland (Redaktionsleitung)

Absolventin des Master-Studiengangs Medien- und Kommunikationsmanagement, unsere Expertin für online und Social Media. Ihr Herz schlägt für Ausbildungs- und Turniersportthemen. Selbst bis zur Klasse S erfolgreich. Seit 2023 agiert sie als Redaktionsleitung.

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