Wort zum Montag: Zwischen Verantwortung, Emotionen und unserer Aufgabe als Presse
Dieses Turnierwochenende hat viele Diskussionen ausgelöst. Nicht nur auf den Reitplätzen, sondern vor allem in den sozialen Medien. Diskussionen über das Reiten bei Temperaturen von bis zu 40 Grad. Diskussionen darüber, ob Turniere überhaupt hätten stattfinden dürfen. Und leider auch Diskussionen, die weit über eine sachliche Auseinandersetzung hinausgingen.
Als Fachmagazin haben wir unsere Aufgabe bereits vor dem Wochenende ernst genommen. Wir haben mit Tierärzten und Vertretern der Landeskommissionen gesprochen, unterschiedliche Einschätzungen veröffentlicht und unseren Lesern gleichzeitig Tipps für den verantwortungsvollen Umgang mit der Hitze - zu Hause und auf dem Turnier - an die Hand gegeben. Am Wochenende selbst haben wir nicht aus der Ferne kommentiert. Wir haben uns vor Ort ein eigenes Bild gemacht. Genau das ist unser Anspruch als Fachpresse. Wir haben gesehen, wie Veranstalter alles darangesetzt haben, Mensch und Pferd bestmöglich auf die außergewöhnlichen Temperaturen vorzubereiten: sehr frühe Prüfungsbeginne, zusätzliche Wasserstellen, Wasserventilatoren, Schattenplätze und viele weitere Maßnahmen. Auf den von uns besuchten Turnieren in Süddeutschland wurde mit großem Verantwortungsbewusstsein gehandelt. In Bad Boll bestätigten die Amtstierärzte rund um die Uhr die Situation vor Ort. In Munderkingen machte sich sogar PETA ein eigenes Bild vom Turniergelände und verließ dieses nach der Begutachtung zufrieden.
Ja, es war außergewöhnlich heiß. Aber: Es ist Sommer. Hohe Temperaturen gehören dazu und sie haben auch in früheren Jahren immer wieder Turnierwochenenden geprägt. Der Unterschied ist nicht, dass es heiß ist, sondern wie wir mit dieser Hitze umgehen. Genau das haben wir an diesem Wochenende vielerorts erlebt. Veranstalter haben Verantwortung übernommen, Reiter haben ihre Pferde umsichtig versorgt und Offizielle sowie Tierärzte haben die Situation fortlaufend begleitet. Das bedeutet nicht, dass jedes Turnier unter allen Umständen stattfinden muss. Aber es bedeutet, dass man jede Veranstaltung anhand der tatsächlichen Bedingungen vor Ort bewerten sollte und nicht pauschal. Deshalb haben wir anschließend über das berichtet, was wir selbst gesehen und erlebt haben.
Was uns allerdings sprachlos macht, ist die Art und Weise, wie in den sozialen Netzwerken teilweise mit Menschen umgegangen wurde. Veranstalter wurden an den Pranger gestellt. Erwachsene Reiter wurden pauschal verurteilt. Besonders erschreckend war jedoch, dass selbst Kinder Ziel von Anfeindungen wurden. Hier wurde eine Grenze überschritten. Aus diesem Grund haben wir bei einzelnen Beiträgen die Kommentarfunktion eingeschränkt. Nicht, weil wir keine Diskussion zulassen möchten, sondern weil wir Beleidigungen, Vorverurteilungen und persönliche Angriffe nicht als konstruktiven Austausch verstehen. Auch dafür wurden wir kritisiert. Damit können wir leben. Was wir uns jedoch wünschen, ist mehr Differenzierung. Mehr Menschen, die sich vor Ort ein eigenes Bild machen, bevor sie urteilen. Denn zwischen einem Foto, einem kurzen Video oder einem einzelnen Social-Media-Beitrag und der tatsächlichen Situation auf einem Turnier liegen oft Welten. Kritik gehört dazu. Sie ist wichtig und notwendig. Aber sie sollte auf Fakten beruhen und respektvoll geäußert werden. Wir erleben seit Jahren, wie der Reitsport zunehmend unter Generalverdacht gerät. Wer jedoch pauschal Veranstalter, Reiter und sogar Kinder öffentlich verurteilt, trägt nicht dazu bei, Verbesserungen zu erreichen. Im Gegenteil: Das Engagement der vielen Ehrenamtlichen und Organisatoren wird dadurch immer unattraktiver. Die Folge könnte sein, dass es künftig noch weniger Menschen gibt, die bereit sind, Turniere überhaupt noch auszurichten.
Unsere Aufgabe als Presse ist nicht, Stimmungen zu bedienen oder Empörung zu verstärken. Unsere Aufgabe ist es, hinzusehen, zuzuhören, einzuordnen und faktenbasiert zu berichten. Auch dann, wenn verschiedene Meinungen nebeneinander bestehen. Am Ende trägt jeder Verantwortung: Veranstalter, Offizielle, Tierärzte, Reiter und jeder Einzelne, der entscheidet, ob ein Start unter den gegebenen Bedingungen verantwortbar ist. Ebenso trägt jeder Verantwortung für das, was er im Internet schreibt. Sommer wird es auch künftig geben. Heiße Tage ebenso. Entscheidend ist deshalb nicht die Empörung aus der Ferne, sondern ein verantwortungsvoller Umgang vor Ort, gegenseitiger Respekt und die Bereitschaft, sich ein eigenes Bild zu machen. Vielleicht nehmen wir aus diesem Wochenende alle eines mit: Weniger vorschnelle Urteile. Mehr Respekt. Mehr Sachlichkeit. Und die Bereitschaft, sich erst ein eigenes Bild zu machen, bevor man über andere richtet. Denn genau dafür stehen wir auch künftig - als Fachmagazin und als Presse.