München: Oliver Berger nimmt Maß
Mit der ersten Wertungsprüfung der Springreiter fiel am Freitagvormittag der Startschuss für die Bayerischen Meisterschaften auf der Olympia-Reitanlage in München-Riem. Zum Auftakt stand ein Springen der Klasse S* über 1,40 Meter auf dem Programm. Den Sieg sicherte sich Oliver Berger (Boxbrunn/Weisendorf) mit seinem zehnjährigen Westfalen-Wallach Cassini. Auch wenn in der Meisterschaftswertung nach dem ersten Umlauf alle fehlerfreien Paare zunächst gleichauf liegen, setzte Berger mit seiner schnellen Nullrunde bereits ein erstes Ausrufezeichen.
"Insgesamt ein bisschen besser reiten."
Wer ihm nicht bereits auf einem Turnier begegnet ist, kennt den fränkischen Springreiter Oliver Berger vermutlich aus den sozialen Medien. Mit humorvollen Videos und einem guten Gespür für Selbstironie sorgt Berger dort regelmäßig für Unterhaltung. Besonders sein Satz „Du kannst auch eins noch versuchen – einfach insgesamt mal ein bisschen besser reiten“ entwickelte sich in der Reitsportszene längst zu einem viralen Gag. Am heutigen Vormittag bewies Berger jedoch einmal mehr, dass hinter dem Humor vor allem eines steckt: Konstanz im Sattel.
Bereits bei der Pferd International Mitte Mai hatte der Reiter mit Rang vier im Großen Preis über 1,50 Meter gezeigt, dass er und der Cornet’s Balou-Sohn Cassini sich auf dem Münchner Rasen wohlfühlen. Nun knüpfte Berger nahtlos an diese Leistung an. Mit seinem zehnjährigen Westfalen-Wallach, den er bereits seit dessen jungen Jahren selbst ausbildet und fördert, lieferte er die schnellste fehlerfreie Runde des Tages. Den verfügbaren Turnierdaten zufolge war es Bergers 20. Sieg in einem Springen der schweren Klasse.
Dass die Konkurrenz ihm den Sieg nicht kampflos überlassen würde, zeigte Anna Ortmann. Die Amazone ging mit ihrem zwölfjährigen Jimmy beherzt nach vorne und kam der Bestzeit am nächsten. Am Ende fehlten lediglich knapp zwei Sekunden auf Berger. Die Platzierung unterstreicht einmal mehr die Konstanz der Reiterin, die in den vergangenen Jahren zahlreiche Siege bis 1,45 Meter feiern konnte und sich auch mehrfach auf 1,50-Meter-Niveau erfolgreich behauptete.
Rang drei ging an Maximilian Ziegler und die erst achtjährige Domina W. Die Tochter des Dominator Z befindet sich im Besitz von Max Kühner, dessen Tochter Jolie Marie Kühner mit der Stute bereits erfolgreich unterwegs war. Seit Ziegler die weitere sportliche Förderung übernommen hat, entwickelt sich die junge Stute kontinuierlich weiter. Erst vor wenigen Wochen gewann das Paar beim Turnier von Oliver Berger in Boxbrunn ein Springen der Klasse S** und bestätigte diese Form nun auch in München mit einer weiteren schnellen Nullrunde. Einmal mehr spielte Ziegler dabei seine große Routine aus.
Unmittelbar dahinter platzierte sich Wolfgang Puschak mit der ebenfalls erst achtjährigen Odense Z. Der Silbermedaillengewinner der Bayerischen Meisterschaften 2024 zählt seit vielen Jahren zur bayerischen Spitze im Springsport. Seine Stute kennt er von Beginn an: Von den ersten Jungpferdeprüfungen an führte Puschak Odense Z behutsam bis in die schwere Klasse. Die harmonische Ausbildung spiegelte sich auch im Auftaktspringen wider, in dem die Stute mit bemerkenswerter Übersicht und großer Gelassenheit überzeugte.
Für Maximilian Ziegler verlief der Auftakt der Meisterschaft gleich doppelt erfolgreich. Neben Rang drei mit Domina W steuerte er auch Gogo Fiona auf Platz fünf und verschaffte sich damit eine komfortable Ausgangslage für die kommenden Wertungsprüfungen. Nach der zweiten Wertungsprüfung wird sich entscheiden, mit welchem seiner beiden Pferde der routinierte Oberbayer den Kampf um die Medaillen fortsetzen wird.
Ebenfalls fehlerfrei im Auftaktspringen blieben Hans Günther Blum, Michael Eichler, Verena Haller und Lisa Candin.
Sandra Viehweg-Mayer siegt bei den Damen und Amateuren
Nicht nur für die Reiter ging es heute in die erste Wertungsprüfung, sondern auch für die Damen und die Amateure hieß es Konzentration.
Zum Auftakt bestritten die Reiterinnen und Reiter einen Parcours über 1,30 m. Deutlich an die Spitze setzte sich Sandra Viehweg-Mayer, die mit ihrer Cordelia ebenfalls knapp zwei Sekunden schneller war als ihre Verfolger. Auf Rang zwei folgte die in der Lewitz gezogenen Caracoulona PS. Vorgestellt von Nadja Schmittlein blieb auch sie fehlerfrei und sicherte sich eine gute Ausgangslage. Auf Rang drei reihte sich Rosa von Weidenbach ein, vor Julia Haarmann und Lisa-Maria Puschak.