München-Riem: Lisa Candin sicher zu Gold
Strahlende Sonne, strahlende Gesichter und eine ganz besondere Meistertaufe. All das bot der Sonntagnachmittag bei den Landesmeisterschaften in München-Riem, zu dessen Abschluss vor allem bei den Springreitern jede Sekunde von Entscheidung war.
Die weiße Weste halten
Für das Finale der Ü22 -Reiter ging es in zwei Umläufen über einen 1,45 m hohe Parcours, die Startreihenfolge umgekehrt zum Stand der Meisterschaftswertung. Und so wusste Lisa Candin als Schlussreiterin, dass sie sich eigentlich keinen Abwurf erlauben durfte, denn ihre Mitstreiter waren flott unterwegs gewesen.
Doch Candin, vom Reitverein Karlsfeld, wusste mit dem Druck umzugehen, blieb im ersten und auch im zweiten Umlauf ohne Abwurf, nahm aber einen Zeitstrafpunkt billigend in Kauf, um in der Gesamtwertung nichts anbrennen zu lassen und sich die Goldmedaille zu sichern. Ihr Partner unter dem Sattel, der aus der württembergischen Zucht von Annabarbara Schur stammt, zeigte sich über die gesamte Meisterschaft auf diesem Niveau sicher.
Mit ihrem Zeitstrafpunkt rangierte sie im abschließenden Springen an vierter Stelle, hinter Anna Ortmann, die mit einem Fehler ins Finale einritt. Sie war als vorletztes Starterpaar an der Reihe und versuchte mit ihrem Jimmy an die Zeit von Oliver Berger heranzukommen. Sie waren punktgleich in den Finaltag gestartet und bei einem Gleichstand sollte die Zeit des zweiten Umlaufs über die Rangierung entscheiden. Doch es war knapp, der Blick zur Uhr verriet es, Rang drei in der Meisterschaft und im Finalspringen. Nachdem Oliver Berger einen ärgerlichen Fehler in der zweiten Wertungsprüfung in Kauf nehmen musste, legte er am Sonntag noch einmal eine Schippe drauf, ließ seinen Cassini fliegen und landete mit seiner Runde nur knapp hinter dem Führenden Maximilian Ziegler.
Ziegler hatte mit seiner Gogo Fiona das volle Risiko genutzt, um sich im Finalspringen an die Spitze zu setzen. Die zwölfjährige Oldenburger-Stute zeigte sich auch im Finale frisch, motiviert und sprunggewaltig. Durch zwei Abwürfe in der zweiten Wertungsprüfung war es für ihn in der Meisterschaft allerdings der achte Rang am Ende des Turniers.
Den vierten Rang in der Meisterschaft belegte Wolfgang Puschak im Sattel seiner erst achtjährigen Odense Z, die im Übrigen eine Halbschwester zu dem Meisterschaftspferd seiner Frau Lisa-Marie Puschak. Beide stammen ab von dem belgischen Hengst Oklahoma van de Zelm, der unter Lars Kersten international erfolgreich ist.
Erwähnenswert am Ende der Meisterschaft ist vor allem die stilsichere und feine Reitweise durch alle Altersklassen hinweg. Zwar hätte man sich in der ein oder anderen Altersklasse mehr Starter wünschen können, doch das wäre Meckern auf hohem Niveau. Die Meisterschaft endete mit einer gebührenden Meistertaufe, bei der Vize-Meister Oliver Berger die Siegerin Lisa Candin kurzerhand schnappte und an den aufgestellten Pool trug. Kurz davor stolperte er und beide landeten gemeinsam im Wasser. Fazit von Berger, der es wie immer mit Humor tragen konnte: „Mit Trageerschöpfung ist nicht zu spaßen. Und: Insgesamt einfach noch besser tragen und nicht halb groß ans offene Wasser kommen!“