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von Mona-Sophie Wieland am Freitag, 14.08.2026 um 18:26

WM Aachen: Ein „Hammer“ Sommermärchen

Die Medaillengewinner im Grand Prix Special bei den Weltmeisterschaften in Aachen: Cathrine Laudrup-Dufour, Charlotte Fry und Katharina Hemmer (v.l.n.r.)  /  © Lafrentz

Eins konnte man beim Grand Prix Special der Weltmeisterschaften in Aachen sagen: Es war spannender als jeder Krimi, den es gibt. Am Ende verteidigt die Britin Charlotte Fry mit dem jetzt 15-jährigen Lord Leatherdale-Nachkommen Glamourdale ihren Titel. Ein Ende, auf das wohl nur die wenigsten getippt hätten.

Die Sache mit den fliegenden Galoppwechseln

Aus der Gruppe der „Medaillenverdächtigen“ musste die Dänin Cathrine Laudrup-Dufour mit ihrer 17-jährigen Hannoveraner Stute Mount St. John Freestyle. Die Weltranglistenerste und Doppelvizeeuropameisterin aus dem vergangenen Jahr zeigte bis zum Schluss die beste Trabtour. Dynamische Verstärkungen, hoch abfußende, gut ausgehaltene sowie gleichmäßige Passagen führten zu einem Zwischentrend von über 83 Prozent. Aus einer tollen Passage wechselte die Stute aus der Zucht von Stephan Kurz sofort in einen qualitätvollen, sehr losgelassenen, an die Hand schreitenden starken Schritt. Die beiden folgenden Piaffen zeigten sich eigentlich vorbildlich abfußend bei gewünschter gesenkter Kruppe. Doch die Betonung liegt auf eigentlich. In beiden Piaffen zeigten sich zwei Tritte ins Vorwärts. Teuer wurde es dann aber in den Serienwechseln. In den Einerwechseln zeigte sich ein Wechsel in der Hinterhand nicht sicher durchgesprungen. Auch in den Galopppirouetten zeigte sich in beiden Galopppirouetten in der Ausleitung ein Schwungverlust. Unterm Strich gab es verdiente 80,9 Prozent. Ob das zum Titel reichen sollte oder ob sie ihrem „Motto“ von „Forever Zweite“ erneut folgte? Die Antwort ist nein, es reichte nicht. Vielmehr gelang der Britin Charlotte Fry eine gewaltige Überraschung. Die Britin war mit ihrem bewegungsstarken Glamourdale als Titelverteidigerin nach Aachen gereist. Nach einem großen „Tief“ bei den vergangenen Europameisterschaften, als die beiden eine Medaille verpassten, ging die Form der beiden in den vergangenen Monaten stark bergauf, gar präsentierte sich der Hengst aus der Zucht von J. W. Rodenburg in sich durchlässiger und nachgiebiger, eigentlich in der Form seines Lebens. Und dennoch hatte man die beiden für die Weltmeisterschaften nicht so richtig auf der Rechnung. Die beiden begannen ebenso stark. Auf eine dynamische Trabverstärkung folgten lockere Traversalen und energisch abfußende Passagen. Nach einem Mini-Moment der Stockung in der Einleitung zur Piaffe folgten hinsichtlich Aktivität und diagonalem Abfußen nach wie vor stark verbesserte Piaffen. Und dann kam die Galopptour und hier jagte ein Highlight das andere: Während viele Medaillenfavoriten heute in den Serienwechseln vom Fehlerteufel begleitet wurden, zelebrierte das britische Paar diese regelrecht. Hinzu kam ein gigantischer starker Galopp, der mit einem Notendurchschnitt von 9,9 belohnt wurde. Auch die Galopppirouetten gelangen im Vergleich zu vorherigen Prüfungen besser im Durchsprung und mit guter Lastaufnahme. Verdient wurden die beiden auf der letzten Mittellinie mit Szenenapplaus belohnt, einem wahren Gänsehautmoment. Und damit stand fest: Mit 82,2 Prozent verteidigten die beiden fast schon in überlegener Art und Weise ihren Titel. „Ich kann noch nicht glauben, was passiert ist. Es war unglaublich. Glammy hat mir so toll zugehört und in jedem Moment 120 Prozent gegeben“, schwärmte Charlotte Fry im Anschluss und fügte hinzu: „Ich hatte noch nie solch eine Prüfung wie heute. Er liebt das Ganze einfach. Für ihn könnten die Arenen nicht groß genug sein!“ Im Vergleich dazu zeigte sich Cathrine Laudrup-Dufour im Anschluss verständlicherweise etwas enttäuscht: „Wir hatten einen sehr guten Start in die Prüfung. Insgesamt bin ich mit mir nicht zufrieden. Free befindet sich in solch einer guten Form und hat alles gegeben. Ich habe sie nicht optimal vorgestellt. Ich möchte morgen zeigen, was für ein tolles Pferd sie ist!“

Das "hemmersche" Sommermärchen

Und dann war da noch Katharina Hemmer. Die frischgebackene Mannschaftsweltmeisterin hatte bereits im Grand Prix mit ihrem Denoix ein Personal Best geliefert. Viele sahen die beiden in dieser Prüfung sogar ganz vorne. So lag es fast schon in der Luft, ja es „roch“ nach einer Medaille. Aber sollte der 14-jährige Destano-Nachkomme aus der Zucht von Friedrich Kuhlmann vor ausverkauftem Haus die Nerven behalten? Die Antwort ist ja, und das vor allem dank seiner unglaublich gefühlvoll einwirkenden und nervenstarken Reiterin. Bereits beim Einreiten gab Hemmer dem Wallach Sicherheit. Sie begannen mit einer starken Trabtour, ja der Wechsel von Passagen, Verstärkungen und Traversalen kommt dem Wallach einfach entgegen. Auch heute brillierten die beiden stets mit bestem Seitenbild. Insgesamt glichen die Piaffen und Passagen in ihrer Taktsicherheit erneut einem Metronom. Im Galopp wurde auch dieses Paar in den Serienwechseln nicht vom Fehlerteufel begleitet und so gelangen alle Wechseltouren fehlerfrei und selbstsicher ins Bergauf gesprungen. Einen kleinen Wackler gab es in der zweiten Galopppirouette, als Denoix nach der zweiten Hälfte einen kleinen Sprung nach vorne machte. Das konnte aber fast schon als Schönheitsfehler angesehen werden. Und erneut durfte sich Katharina Hemmer mit Denoix über ein neues Personal Best von 80,8 Prozent freuen. Hemmer ist also erneut der Hammer gelungen, oder wie es Birgit Rosenberg, Sportchefin des CHIO Aachen, treffend beschrieb: „Das Sommermärchen ist zurück. Katharina Hemmer selbst fehlten im Anschluss die Worte: „Ich habe niemals von einer Einzelmedaille geträumt. Mein voller Fokus lag auf dem Team. Ich wollte hier mein Bestes geben. Das alles hier in Aachen mit meinem besten Freund Denoix zu erleben, bedeutet mir alles. Ich bin so dankbar und glücklich!“ Im Rahmen der Pressekonferenz verkündete Katharina Hemmer auch, dass sie auf einen Kürstart verzichten wird. Eine verständliche und vor allem absolut pferdefreundliche Entscheidung!

Der undankbare vierte Platz

Mit im Medaillenrennen war auch Dressurqueen Isabell Werth, die mit ihrer Wendy de Fontaine in der Trabtour noch deutlich nach einer Medaille griff. Doch dann schlichen sich im Galopp in den Serienwechseln erneut Fehler ein, was die beiden mit 79,5 Prozent knapp auf den undankbaren vierten Platz zurückfallen ließ. Doch mit diesem Paar ist in der Kür mit Sicherheit sehr zu rechnen! Die beiden ließen heute sogar den Doppeleuropameister von Crozet hinter sich. Zwar zeigten sich Justin Verboomen und Zonik Plus im Vergleich zum Grand Prix in puncto Losgelassenheit und Durchlässigkeit verbessert, Fehler in den Einerwechseln und ein Umspringen nach den Einerwechseln zerstörten jedoch jegliche Medaillenträume und ließen Verboomen bei seinen ersten Weltmeisterschaften auf Rang fünf einreihen (79,3 Prozent).

Mona-Sophie Wieland (Redaktionsleitung)

Absolventin des Master-Studiengangs Medien- und Kommunikationsmanagement, unsere Expertin für online und Social Media. Ihr Herz schlägt für Ausbildungs- und Turniersportthemen. Selbst bis zur Klasse S erfolgreich. Seit 2023 agiert sie als Redaktionsleitung.

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