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von Mona-Sophie Wieland am Samstag, 15.08.2026 um 14:33

„Es gibt kein größeres Gefühl, als hier einlaufen zu dürfen“

Conny Raddatz zählte als Longenführerin zu den WM-Finalisten in Aachen.  /  © privat

Für die Bayerin Cornelia Raddatz wird das WM-Finale zum emotionalen Höhepunkt: Sie steht mit Blanka Németh im Zirkel und verabschiedet zugleich ihr Pferd Belasco von der Championatsbühne. Wir haben uns mit Cornelia Raddatz über diesen Moment sowie die Aufgabe eines Longenführers unterhalten.

Sie standen bei den Weltmeisterschaften in Aachen heute im Finale der Einzelvoltigiererinnen. Wie fühlt sich das an?

Grundsätzlich ist es natürlich eine Riesenehre, hier zu stehen. Diese Atmosphäre in Aachen ist, selbst für jemanden, der schon ein bisschen Erfahrung in Championaten und CVIs hat, einfach outstanding. Das Publikum ist der Wahnsinn. Die ganze Wertschätzung, die man hier auch als Pferdesportler erfährt, ist unfassbar. Von daher gibt es, glaube ich, kein größeres Gefühl, als hier einlaufen zu dürfen.

Wie viel Verantwortung liegt als Longenführerin in diesem Moment auf Ihnen?

In der Note ist es ein Viertel. Ich würde sagen, dass eigentlich mehr als die Hälfte letztlich auf Longenführer und Pferd geht, weil der beste Voltigierer natürlich nur dann seine Leistung zeigen kann, wenn das Pferd wirklich dort im Zirkel vertrauensvoll mit dem Longenführer zusammenarbeitet. Das ist mir heute leider nicht gelungen. Insofern ist mir heute einmal mehr bewusst geworden, wie viel Verantwortung man letztlich trägt, damit der Voltigierer überhaupt seine Leistung zeigen kann. Von daher sehe ich die Verantwortung deutlich höher als die eigentliche Bewertung.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Blanka?

Meine ukrainische Voltigiererin, mit der ich hier an den Start gehen wollte, hat sich leider im Mai das Kreuzband gerissen. Und so hatte ich meinen Traum, hier starten zu dürfen, eigentlich schon an den Nagel gehängt. Blanka hat händeringend nach einem Sportpartner auf vier Hufen gesucht und mich gefragt, ob ich bereit wäre, hier mit ihr zu starten. Und so kam tatsächlich relativ spontan im Juni diese Zusammenarbeit zustande. Wir haben ein paar Trainingswochenenden bei uns zu Hause verbracht und sind jetzt hier entsprechend zusammen angekommen.

Was muss ein Longenführer während einer Kür alles wahrnehmen?

In meinen Augen muss der Longenführer tatsächlich das komplette Programm komplett vor Augen haben. Die Kür ist in meinen Augen deswegen so schwer zu longieren, weil eine anspruchsvolle Kür eigentlich keine Pause zur Hilfengebung beinhaltet. Das heißt, ich muss tatsächlich jede kleinste Möglichkeit erkennen, um das Pferd zu unterstützen. Dementsprechend ist es sehr wichtig, dass ich das Programm in- und auswendig kenne. Und ich denke auch, dass es für das Pferd viel einfacher ist, wenn es das Programm kennt, weil man dann einfach so ein bisschen weiß, an welchen Positionen man noch einmal feinjustieren kann.

Was macht den Unterschied zwischen einem guten und einem herausragenden Longenführer aus?

Ich denke, ein herausragender Longenführer hat alles im Blick. Er hat den Voltigierer im Blick, das Pferd im Blick und das große Ganze – also auch, was für ein Programm letztlich gezeigt wird. Denn am Schluss hilft es nichts, wenn das Pferd gut geht. Es muss genau in den Punkten gut gehen, die auch die Anforderungen des Voltigierers sind. Und ich denke, das ist so herausfordernd: wirklich diese Momente zu erkennen, wo kann ich und wo sollte ich, aber wo sollte ich vielleicht auch lieber nicht.

Können Sie während einer solchen Kür auch ein bisschen genießen oder sind Sie komplett im Arbeitsmodus?

Genießen würde ich sagen, ist vor allem das Ein- und das Auslaufen. Tatsächlich ist in der Minute, in der der Voltigierer am Pferd ist, für mich ein hundertprozentiger Fokus auf mein Pferd und auf die Sequenzen, die dort oben drauf stattfinden, um eben das Pferd optimal für den Voltigierer in dem Moment vorzubereiten. Aber in dem Moment, wo der Voltigierer seinen Abgang turnt und wir eine gute Runde gemacht haben, ist das Genuss pur und belohnt für alles, was davor war.

Erzählen Sie uns noch etwas über Belasco. Es war heute sein letzter Championatsauftritt.

Er ist 17 Jahre alt und seit zwölf Jahren in unserem Besitz. Meine Schwester und ich haben ihn vor zwölf Jahren gekauft. Er war eigentlich als Fahrpferd für mich gedacht und für den Nachwuchs-Voltigiersport. 2022 kam eine Freundin auf die Idee, die hier auch mich als Blumen begleitet, die Isa. Sie meinte, wir könnten doch mal einen FEI-Start probieren. Ich habe das Ganze eher belächelt und gesagt: Na ja, er ist eher so im Reitsport bei uns eingesetzt und hat nicht so viel Erfahrung. Und so sind wir damals nach Kaposvár gefahren und haben das Ganze mal ausprobiert. Er ist mit unglaublichen Pferdenoten aus dem Zirkel rausgegangen und hat ausgestrahlt, dass er so Bock hat, in so einen Zirkel einzulaufen, dass wir daraus in die CVI-Welt und dann auch in die Championatswelt eintauchen durften. Und ja, damit hat er uns alle Träume ermöglicht, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie geträumt habe. Er hat am Schluss acht Nationen auf CVIs und Championaten begleitet und mit uns jetzt in Summe fünf Championate bestritten – das hier ist das fünfte. Und deswegen freuen wir uns sehr, dass er bei topfittem Gesundheitszustand und maximaler Motivation aufhören darf. Nachdem die Runde heute nicht ganz so lief, wie wir uns das vielleicht erträumt hätten, hat Blanca gemeint: „Ich glaube, er will noch nicht aufhören.“ Aber für mich ist es sehr wichtig: Er ist 30.000 Kilometer mit uns gereist, und ich finde, man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist. Und die letzten beiden Runden, würde ich sagen, waren das Schönste, was wir jemals gemacht haben. Am Schluss ist es Pferdesport. Dass es heute nicht ganz so lief und die Fächer auf der Westtribüne ihn so irritiert haben, dass er dort nicht seine Leistung abrufen konnte, ist für mich vollkommen in Ordnung. Für Blanka tut es mir natürlich wahnsinnig leid, dass ich ihm da nicht das Vertrauen schenken konnte, das er in dem Moment gebraucht hätte. Aber im Großen und Ganzen hätte es trotzdem für mich kein schöneres Ende unserer gemeinsamen Championatskarriere geben können.

 

Mona-Sophie Wieland (Redaktionsleitung)

Absolventin des Master-Studiengangs Medien- und Kommunikationsmanagement, unsere Expertin für online und Social Media. Ihr Herz schlägt für Ausbildungs- und Turniersportthemen. Selbst bis zur Klasse S erfolgreich. Seit 2023 agiert sie als Redaktionsleitung.

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