WM Aachen: Gold für Michael Jung und Silber für Deutschland
„Es ist wichtig einen guten Plan zu entwickeln“, hatte Michael Jung heute Morgen noch im Hinblick auf das Springen gesagt. Ein Plan, der für ihn soeben im Aachener Parcours auf ganzer Linie aufging – mit einer phänomenalen und nervenstarken Nullrunde sicherte sich der Reitmeister aus Horb mit fischerChipmunk FRH nach 2010 den zweiten Weltmeistertitel seiner, die Reitsportgeschichte prägenden, Karriere. Doch zunächst von Beginn dieses hochemotionalen Nachmittags an, denn das abschließende Springen der Vielseitigkeits-WM 2026 hatte es noch einmal in sich und vor allem in der zweiten Hälfte des Parcours häuften sich die Fehler. Als erstes deutsches Starterpaar gingen Libussa Lübbeke und ihre aus der Familienzucht stammende Caramia FRH in den Kurs und behielten die Nerven. Lediglich an Sprung elf, der für einige Abwürfe im gesamten Feld sorgte, fiel eine Stange – womit die beiden ihre erste Weltmeisterschaft mit 61,1 Punkten auf Platz 41 beendeten. Nachdem dies aller Voraussicht nach, trotz starker Leistungen in allen Teilprüfungen, das Streichergebnis sein würde, war der Druck auf die zweite Teamreiterin Julia Krajewski sicher nicht zu unterschätzen. Souverän absolvierte diese mit Uelzener´s Nickel, der bekannt für sein Sprungvermögen ist, den anspruchsvollen Parcours und man sah das Paar schon beinahe fehlerfrei im Ziel. Doch an Sprung zehn, einem Steilsprung, touchierte Nickel die Planke leicht, die daraufhin nicht in den Auflagen blieb. Ein, zugegeben etwas ärgerlicher Flüchtigkeitsfehler, der vier Punkte auf das Konto spülte und der WM-Zweiten in der Einzelwertung der WM von Pratoni ein Endergebnis von 39,6 und Platz 17 einbrachte. Malin Hansen-Hotopp ritt als dritte schwarz-rot-goldene Teamreiterin in den Parcours ein und wie im Gelände am Vortag flog sie mit ihrem sprunggewaltigen Schimmel Carlitos Quidditch K über die Stangen. Die ein oder andere nicht ganz optimale Situation löste der, liebevoll „Schimmi“ genannte Wallach selbstbewusst und souverän, eine Leistung, die seine Reiterin voller Dank würdigte – im Ziel mussten lediglich 1,2 Zeitfehler addiert werden, was ein Endresultat von 33 Punkten, den starken Platz neun in der Einzelwertung und einen wertvollen Beitrag zum Team-Ranking bedeutete. Christoph Wahler und D´Accord FRH, die als Einzelpaar und Fünftplatzierte in den anspruchsvollen Parcours einritten, nahmen zwei Abwürfe in Kauf und beendeten die Weltmeisterschaft 2026 dank der sensationellen Leistung im Cross, mit 38,6 Punkten auf Platz 16.
An Tom McEwen war es als viertletztem Starter nun den komfortablen Vorsprung der führenden Briten zu sichern. Doch auch einem Routinier wie ihm kann ein Fehler unterlaufen und so nahm Jl Dublin die oberste Stange an Sprung elf, einem bunten, luftigen Oxer über Wasser mit, wodurch die beiden das Championat mit 32,6 und auf Platz sieben in der Einzelwertung beendeten. Dieser Sprung war es auch, der seiner Teamkollegin Laura Collett und ihrem holsteinisch gezogenen, bereits 17-jährigen London zum Verhängnis wurde – mit einem Abwurf und 0,4 Zeitfehlern galoppierten sie mit 28 Punkten dennoch zu Bronze. Zu den Top 2 hin kochte die Stimmung in der Aachener Soers dann noch einmal ordentlich hoch und das begeisterte Publikum ritt gefühlt bei jedem Galoppsprung mit. Für ihre Nervenstärke bekannt ist die britische Teamreiterin, mehrfache 5*-Siegerin und WM-Goldmedaillen-Gewinnerin von 2018 Rosalind Canter - diese bewies sie im Sattel ihres souverän springenden Lordships Graffalo auch in der Aachener Soers. Null Fehler und 23,4 Punkte brachten den beiden die Silbermedaille im Einzel ein.
Als letzter Starter und Führender ritt Michael Jung mit fischerChipmunk, begleitet von Hochspannung in den Parcours ein, mit dem Wissen, dass ein Abwurf über Gold und Silber entscheiden wird. Eine Situation, die der 44-jährige kennt und die auch ihm, bei aller Routine einiges abverlangt. Hochkonzentriert nahmen der Reitmeister und der 18- jährige Wallach die Sprünge ins Visier, bewiesen in dem schwierigen Kurs, nach der sensationellen Leistung im gestrigen Gelände, ihre Weltklasse auf heimischen Boden und brachten die null Fehler in der Zeit ins Ziel – die Michi-Faust schnellte in die Höhe und das ausgiebige Lob für einen sensationell springenden Chip folgte sofort! Mit der Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft in Aachen 2026 schreiben Michael Jung und fischerChipmunk erneut Geschichte und werden endgültig und hochverdient gemeinsam zu Legenden im Reitsport! „Chip war über die ganzen Tage hinweg gigantisch. Er strotzt vor Kraft und ich kann einfach nur immer wieder von ihm schwärmen. Ich bin dankbar ein Pferd wie ihn reiten zu dürfen“, strahlte Michael Jung nach seinem Ritt spürbar emotional.
Doch damit nicht genug – auch in der Teamwertung wusste die deutsche Mannschaft, um Equipe-Chefin Dr. Annette Wyrwoll und begleitet von einem Team voller Support im Hintergrund, zu überzeugen und sicherte sich hinter den überragenden Briten (84,0) mit 95,6 Punkten die Silbermedaille. Bronze ging nach einer Aufholjagd mit 113,5 Punkten in die Vereinigten Staaten von Amerika.