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von Martina Scheibenpflug am Mittwoch, 16.09.2026 um 15:59

Mittenwald: Abschied von Uwe Mechlem

Abschied von Uwe Mechlem  /  © Fischer

Im Alter von 91 Jahren ist Uwe Mechlem verstorben. Der langjährige Dressurrichter aus Mittenwald bei Garmisch hatte über seinen Vater Franz, Speditionsunternehmer aus dem oberbayerischen Murnau, von Kindesbeinen an Kontakt zu Pferden und feierte schon früh die ersten Erfolge im Sattel. Während seiner sportlichen Karriere sammelte er sechs Bayerische Meistertitel im Springsattel, zwei in der Dressur und später zahlreiche Erfolge bis Grand Prix Special. Anfang der 60er Jahre legte er seine Richterprüfung, richtete ab 1974 international, wurde 1989 in den Kreis der „O“-Richter aufgenommen und saß daraufhin bei unzähligen deutschen Meisterschaften, drei Europameisterschaften, vier Weltcup-Finales sowie den Olympischen Spielen in Barcelona 1992 und Atlanta 1996 am Richtertisch. 
Von 1981 bis 2002 war der Diplom-Kaufmann Mitglied im Dressurausschuss des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR), zuletzt zwei Jahre lang als dessen Vorsitzender. Von 1994 bis 1998 lenkte er außerdem als Mitglied des Dressurkomitees des Weltreiterverbandes (FEI) die Geschicke des Dressursports auf internationaler Ebene und war maßgeblich an der Erarbeitung eines neuen Championatsmodus, inklusive der Kür, beteiligt. Für seine Verdienste wurde Uwe Mechlem im Jahr 2000 von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung mit dem Deutschen Reiterkreuz in Gold ausgezeichnet. 
Anfang 2015 wurde Uwe Mechlem zum zweiten Mal ins Judges Supervisory Panel der FEI berufen, einem Gremium verdienter Dressurrichter, das strittige Richterentscheidungen bei Championaten korrigieren soll.

Zum Tod von Uwe Mechlem hat Katrina Wüst einen persönlichen Nachruf geschrieben:

Mit schwerem Herzen nehmen wir Abschied von einer außergewöhnlichen Persönlichkeit des internationalen Dressursports und einem großen Pferdemann, der im Alter von 91 Jahren verstorben ist.

Pferde und der Reitsport haben Uwe Mechlems ganzes Leben von Kindheit an geprägt. Als aktiver Reiter war er in Dressur und Springen gleichermaßen erfolgreich. Siebenmal wurde er Bayerischer Meister, in beiden Disziplinen ritt er international bis zur höchsten Klasse. Dieses umfassende reiterliche Können, sein profundes Wissen und vor allem sein tiefes Verständnis für das Pferd bildeten später die Grundlage für eine ebenso außergewöhnliche Laufbahn als Richter und Funktionär.

Neben zahlreichen Einsätzen und Championaten weltweit wurde er zwei Mal bei Olympischen Spielen an den Richtertisch berufen. Darüber hinaus gehörte er 27 Jahre lang dem Deutschen Dressurausschuss an, zuletzt als dessen Vorsitzender. Vier Jahre wirkte er im FEI-Dressurkomitee und damit an zentraler Stelle an der internationalen Entwicklung unseres Sports mit. Nach seiner aktiven Richterlaufbahn gehörte er dem Judges Supervisory Panel (JSP) an, das bei internationalen Championaten die Richterbewertungen überprüft und bei deutlichen Abweichungen korrigierend für eine faire und einheitliche Beurteilung eingreift.

Doch Ämter und Titel allein erzählen wenig darüber, was ihn wirklich ausgezeichnet hat.

Uwe Mechlem war kein Mensch, der sich in den Vordergrund drängte. Die zahlreichen verantwortungsvollen Positionen, die ihm im Laufe seines Lebens angetragen wurden, gewann er nicht durch Lautstärke oder machtvolles Auftreten. Er gewann Menschen. Mit großer Fachkenntnis, klugen Argumenten und der Fähigkeit, andere nicht nur sachlich zu überzeugen, sondern sie auch emotional mitzunehmen. Er konnte führen, ohne zu dominieren, vermitteln, ohne zu belehren und unterschiedliche Standpunkte zusammenbringen, ohne den eigenen aus den Augen zu verlieren.

Trotz all seiner Erfolge und seiner weltweiten Anerkennung blieb er ein außergewöhnlich freundlicher, zugewandter und bescheidener Mensch. Er begegnete anderen mit Respekt und echtem Interesse – unabhängig davon, welche Position sie innehatten oder welchen Namen sie trugen. Deshalb war er nicht nur weltweit bekannt, sondern überall besonders beliebt.

Wer ihm begegnet ist, wird sich an seine Freundlichkeit erinnern, an seine Wärme, seinen feinen Humor und an die besondere Art, Menschen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein.

Was Uwe Mechlem unserem Sport über viele Jahrzehnte gegeben hat, wird bleiben. Und ebenso die Erinnerung an einen Menschen, dem man mit großer Hochachtung begegnete – und den man einfach sehr gerne haben musste.

 

Martina Scheibenpflug (Redaktion)

Martina Scheibenpflug gehört seit 2020 zum Team von Matthaes Medien. Nach dem Abitur absolvierte Martina Scheibenpflug ein zweijähriges Volontariat bei der Tageszeitung Münchner Merkur, danach schloss sie ihr Studium der Politikwissenschaften, Germanistik und Psychologie an der Ludwig-Maximilian-Universität in München ab. Bis zur schweren Klasse war Martina Scheibenpflug erfolgreich im Viereck unterwegs.

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