Balve: Nachwuchsstar schlägt Olympiasiegerin
Damit hätte wohl niemand gerechnet – die Deutschen Meisterschaften der Dressurreiter starteten heute zugleich mit einer großen Überraschung. Der erst neunjährige Wallach Fendi unter dem Sattel von Sönke Rothenberger schlug im Grand Prix die Olympia- und zweifache Weltcup-Siegerinnen Jessica von Bredow-Werndl und TSF Dalera. Die Beiden starteten gewohnt stark mit einer dynamischen und kraftvollen Trabtour und punkteten einmal mehr in ihrer Paradelektion, der Piaff-Passage-Tour. Der Zwischentrend lag bei 83 Prozent. Doch dann kam die Galopptour, wo sich (sehr teure) und für das Paar völlig unbekannte Unsicherheiten einschlichen. Gleich zu Beginn der Galopptour hatte die 16-jährige Trakehnerstute in den Zweierwechseln einen Beinsalat und auch die Einerwechsel wurden vom Fehlerteufel begleitet. Diese Fehler konnten die sehr gut zentrierten Galopppirouetten noch in gewissermaßen ausgleichen und am Ende standen dennoch starke 79,4 Prozent auf der Anzeigetafel. „Du gewinnst ja eh!“ wie sehr mich dieser Satz immer wieder geärgert hat…. Nein, so einfach ist es nicht. Es ist immer wieder Arbeit und Übung, im HIER und JETZT alles beisammen zu haben! Und das hatte ich heute nicht“, beschrieb Jessica von Bredow-Werndl in Social Media und brachte es auf den Punkt. Auch das scheinbar unschlagbare Olympiasiegerpaar ist am Ende nicht glänzlich perfekt, was auch völlig menschlich ist! Sönke Rothenberger nutzte die Gunst der Stunde und lieferte im Sattel seines Louisdor-Preis-Siegers eine fehlerfreie Runde. Zu den Highlights zählten äußerst aktiv abfußenden Piaffen und Passagen, die toll kreuzenden Trabtraversalen sowie die toll ins Bergauf gesprungenen Zweierwechsel. Natürlich blitzte hier und da das noch junge Alter des Wallachs durch. So gelangen die Galopppirouetten noch nicht auf kleinstem Kreis und auch in der Zick-Zack-Traversale gab es kleine Schwankungen. Alles in allem belohnten die Richter diese Vorstellung mit 79,7 Prozent. Auch auf Platz drei zeigte sich eine kleine Überraschung und Frederic Wandres reihte sich mit seinem eigentlichen Zweitpferd, dem 13-jährigen Bluetooth OLD, auf dem Podium ein (77,5 Prozent). Die beiden überzeugten mit einer sehr gleichmäßigen Vorstellung. Isabell Werth mit DSP Quantaz (76,7 Prozent) und Frederic Wandres mit Duke of Britain (76,3 Prozent) folgten auf den Plätzen vier und fünf. Ingrid Klimke und Franziskus FRH komplettierten das Feld der Platzierten (75,2 Prozent). Schon der Grand Prix von Balve hat verdeutlicht, dass die Deutschen Meisterschaften in diesem Jahr äußerst spannend werden.
Das gleiche Bild zeigt sich auch bei den U25-Dressurreitern, die gestern mit einer Intermediaire II in die Deutsche Meisterschaft gestartet sind. Aus bayerischer Sicht durfte man sich mit dem dritten Platz von Selina Söder und ihrer Zaire E über eine Platzierung freuen (72 Prozent). Die beiden knüpften an den positiven Eindruck aus Mannheim an und überzeugten wiederum mit einer aktiven Piaff-Passage-Tour sowie sehr guten Galopppirouetten. Auch die Serienwechsel gelangen fehlerfrei. Der Sieg ging an Helen Erbe mit Carlos FRH (74,4 Prozent) vor der Siegerin der ersten Piaff-Förderpreis-Station, Semmieke Rothenberger mit Farrington (72,7 Prozent), die in der Galopptour teure Fehler in Kauf nehmen musste. Auch die restlichen bayerischen U25-Reiter bereiteten viel Freude. Thomas Trischberger landete mit seinem sympathischen Liverpool und 68,5 Prozent auf dem ärgerlichen ersten Reserverang. Im Vergleich zum Mannheimer Turnier hatte Emily Fisch die Übermotivation ihres vielversprechenden zehnjährigen Wallachs Apanage besser im Griff und punktete sich zu 67,9 Prozent. Michael Geismeier reihte sich direkt hinter Emily Fisch ein und erhielt für seine Vorstellung mit Di Navarone 67,3 Prozent. (msb)