„Wir müssen die sinkenden Zahlen als Motivation sehen!“: Interview mit Dr. Michael Hubrich
Es sind nicht nur die großen und internationalen Veranstalter, denen Sponsoren, Helfer und infolgedessen die Kosten davonlaufen, auch viele „ländliche“ Turniere sehen sich mittel- oder langfristig in Gefahr. Die Zahlen sprechen auch in Bayern eine deutliche Sprache. BAYERNS PFERDE hat mit dem LK-Vorsitzenden Dr. Michael Hubrich gesprochen.
BAYERNS PFERDE: Herr Dr. Hubrich, bei der LK-Sitzung in München-Riem war zu hören, dass Sie sich große Sorgen um die Zukunft der „Vereinsturniere“ machen. Warum?
Dr. Michael Hubrich: Grundsätzlich ist der Rückgang der ländlichen Turniere ein bundesweiter Trend, da sind nicht nur wir in Bayern betroffen. Das klassische Vereinsturnier bricht ein. Und das liegt nicht nur an der abnehmenden Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren. Auch die wirtschaftliche Rezession spielt eine Rolle in der Gesamtentwicklung. So wird der Pferdebestand in den nächsten Jahren zurückgehen. Viele Halter sind aufgrund der deutlich gestiegenen Kosten nicht mehr in der Lage, dieses Hobby zu finanzieren. Da geht leider die Schere immer weiter auseinander und wir haben eine Tendenz, zum Sport für die Reichen zu werden. Für die Pferde, die bei Turnieren in den mittleren Klassen gestartet werden, ist zum Beispiel derzeit kein Markt mehr vorhanden.
Wie sehen Ihre Lösungsvorschläge aus?
Leider habe ich auch kein Patenrezept zur Hand. Mein Appell geht an die Vereine, sich kräftig in der Jugendarbeit zu engagieren, das heißt, den Pferdesport quasi von unten zu fördern. Wir müssen die Zahlen alle als Motivation sehen, uns Gedanken zu machen, wie wir den Rückgang aufhalten können.
Da klingt Ihre Forderung nach der Vier-Richter-Regelung, nach der bei jedem Turnier mindestens vier Offizielle eingeladen werden müssen, eher nach noch mehr Kosten für die Veranstalter?
Diese Forderung entstand aus der Tatsache, dass bei manchen Turnieren Richter über zwölf Stunden am Tisch saßen oder Dopingkontrollen ausfallen mussten, weil kein Richter verfügbar war. Mit der Vier-Richter-Regelung, die natürlich für begründete Ausnahmen ausgesetzt werden kann, schaffen wir Fakten und haben im Bedarfsfall dann auch eine Handhabe, gegen einschlägig bekannte Veranstalter vorzugehen.
Das heißt?
Es gab Fälle, in denen uns Richter genannt wurden, die gar nicht angefragt worden waren. Oder eben über zwölf Stunden richteten. Oder uns wurden Richter genannt, die dann nur einen halben Tag beim Turnier anwesend waren. Sicher sind es Einzelfälle, aber daraus begründet sich unsere Forderung.
Natürlich dürfen die Veranstalter, die schon immer genügend Zeit für die Verpflegung der Richter und Pferde-/Ausrüstungskontrollen eingeplant haben, weiterhin ihre Turniere mit drei Richtern abhalten. Hier wird sich nichts ändern.