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von Nele Marie Hörster am Donnerstag, 08.05.2025 um 19:09

Émile Baurand – vom Stallzelt in den Parcours

Émile Baurand und sein Nachwuchspferd Dyvellyst Cascadelli  /  © Wolff

Émile Baurand ist mit seinen jungen 18 Jahren nicht nur ein erfolgreiches Nachwuchstalent im Springsattel, sondern hat eine ganz eigene Art mit Ruhe mit seinen Pferden in fairster, partnerschaftlicher Weise umzugehen und diese stilistisch sehr ansprechend im Parcours vorzustellen. Wie der Weg des BWL-Studenten aussieht, wenn er auf dem Turnier vom Stallzelt in den Parcours unterwegs ist, wer ihn dabei unterstützt und ob er an Glücksbringer glaubt, hat Émile im Rahmen des Mannheimer Maimarkt-Turniers in folgendem Interview verraten.

Wie sieht bei dir normalerweise der Weg vom Stallzelt in den Parcours aus?

Ich bereite mich immer früh genug vor. Erstmal bin ich im Stall: Stiefel putzen, Helm aufziehen. Dann geht auch die Vorbereitung von den Pferden los mit putzen, satteln und dann hängt es auch ein bisschen von der Starterliste ab, in welcher Position ich dran bin. Wenn ich relativ am Anfang bin, dann geht es direkt zum Abreiteplatz. Dann einmal ein bisschen Parcours abgehen und anschließend abreiten und abspringen, je nachdem in welcher Form mein Pferd ist und dann hoffen wir natürlich, dass wir eine gute und erfolgreiche Prüfung haben.

Wen brauchst du an deiner Seite?

Ich bin eher ein Familienmensch, das heißt, Papa unterstützt mich auf jeden Fall immer, ist immer mit dabei, Mama oft auch. Für die Pferde ist auch meine Pflegerin verantwortlich und mein Trainer ist manchmal auch dabei.

Und wer ist wofür verantwortlich? Habt ihr da so eine gewisse Rollenverteilung?

Das hängt immer davon ab, wie viele Pferde wir in der Prüfung und auf dem Turnier haben. Wir haben jetzt [in Mannheim] ein Pferd im U25-Springpokal, einer läuft Youngster dieses Wochenende, das heißt, es ist eigentlich relativ entspannt. Meistens laufe ich den Parcours entweder mit meinem Trainer oder mit Papa ab und meine Pflegerin kümmert sich meistens um die Pferde vor der Prüfung und während des Parcours abgehens zum Beispiel auch oder nach der Prüfung. Dadurch kann ich mich immer gut fokussieren, gut bei der Sache bleiben.

Hast du irgendwelche Rituale oder Gewohnheiten, die du immer machst?

Eigentlich nicht, ich versuche immer ein bisschen unabhängig davon zu sein. Was ich immer sehr gerne mache, ist Musik anzuhören. Ich glaube, das hilft immer, fokussiert zu bleiben, konzentriert zu sein, aber ansonsten eigentlich nicht.

 

Mit seinem Champ konnte Émile schon so einige Erfolge zelebrieren.  /  © Lafrentz

Hast du so etwas wie einen Glücksbringer?

Man braucht natürlich immer ein bisschen Glück, um zu gewinnen, aber einen bestimmten Glücksbringer habe ich nicht. Wenn alles passt, wenn meine Familie da ist, wenn ich gut unterstützt bin, dann sollte es klappen. Ich glaube, das sind auf jeden Fall immer meine Glücksbringer.

Wie ist deine Stimmung vor dem Start? Bist du immer entspannt oder kommt irgendwann die Anspannung? Wann kommt sie?

Ich glaube, ich bin generell nicht so angespannt. Ich versuche immer ruhig und gelassen zu bleiben. Konzentration kommt immer am meisten, wenn ich mit dem Abreiten anfange und wenn ich den Parcours abgehe. Aber ansonsten versuche ich auch im Parcours immer lässig, immer ruhig zu bleiben. Ich glaube, das hilft dann auch den Pferden. Und wenn die Glocke läutet, dann versuche ich, bei der Sache zu sein. Und das sind dann die Pferde meistens auch.

Wie gestaltest du dein Abreiten? Wie lang reitest du ab? Woran machst du fest, wie viele Sprünge du im Warm Up machst?

Das hängt auch immer ein bisschen vom Turnier und von den Prüfungen ab. Wenn ich weiß, das Pferd fühlt sich ein bisschen müde an, dann wird das natürlich angepasst. Aber in der Regel versuche ich immer eine gute halbe Stunde davor, auf den Pferden zu sitzen, ein bisschen heranzufühlen, wie sich die Pferde heute anfühlen. Ich reite Schritt, Trab und Galopp, ein paar Übergänge, damit die Pferde im Rücken locker werden. Und ein paar Sprünge, nicht zu viele, sodass genug Energie und Sprit auch noch für den Parcours da ist. Dieses Programm wird immer abhängig vom Tag, von der Laune, von der Prüfung und vom Zeitplan her angepasst. Ich glaube, da muss man immer relativ flexibel bleiben und dann klappt das auch meistens.

Was sind die letzten Gedanken, bevor es losgeht?

Gute Frage. Also ich glaube, ich gehe einmal den Parcours durch und wenn ich dann reinreite, dann versuche ich immer, dass mein Pferd locker bleibt im Parcours, dass er nicht angespannt ist wegen des Publikums oder den anderen Pferden. Ich trabe regulär rein und kann dabei sehen, wie sich mein Pferd anfühlt im Parcours. Dann zeige ich ihm ein paar Sprünge, trabe und galoppiere ein bisschen, wenn ich die Möglichkeit dazu habe. Und dann warte ich auch auf den Start.

Vielen Dank für die Einblicke!

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Hier finden Sie noch ein Video mit Émile zu dem Interview.

Nele Marie Hörster (Redakteurin)

Studierte Betriebswirtin und ausgebildete Pferdewirtin mit Fachschwerpunkt Pferdehaltung und -service. Unterwegs mit Know How zu Social Media und einem großen Interesse an eigentlich allem, was den Pferdesport ausmacht – insbesondere aber an Dressurausbildung und -sport. Im Sattel aktuell primär in der Jungpferdeausbildung aktiv und bisher auf Turnieren bis Klasse L* erfolgreich.

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