Basel: Überlegener Sieg für Isabell Werth
Beim CHI Basel macht auch der Dressur-Weltcup Halt. Im Vergleich zu den vorherigen Stationen zeigt sich in Basel ein in der Breite nicht allzu stark aufgestelltes Starterfeld. Das soll jedoch keinerlei Abstriche an den gezeigten Leistungen an der Spitze machen.
Eine hochmotivierte Wendy
Allein schon anhand der Starterliste kristallisierten sich Isabell Werth und ihre EM-Bronzemedaillengewinnerin von 2025, Wendy de Fontaine, als die glasklaren Favoriten heraus. Bereits 26-mal nahm Isabell Werth an einem Weltcup-Finale teil, davon konnte sie dieses fünfmal für sich entscheiden. In dieser Weltcup-Saison war die Dressurqueen noch bei keiner Weltcup-Qualifikation gestartet, da sie aus privaten Gründen eine Turnierpause eingelegt hatte. Dementsprechend blickt auch Wendy de Fontaine in den letzten Monaten auf nicht viel Turniererfahrung zurück. So war sie nach den Europameisterschaften in Crozet im August bislang nur bei einem Hallenturnier, dem Frankfurter Festhallen Reitturnier, gestartet. Vor diesem Hintergrund ist es völlig verständlich, dass die zwölfjährige Rappstute die nicht ganz einfache St. Jakobshalle von Basel heute äußerst spannend empfand, oder besser gesagt, hochmotiviert war. Schon in der Trabtour zeigte sich die heutige Anspannung der Sezuan-Tochter. So standen neben weit kreuzenden Trabtraversalen, aktiv abfußenden Passagen und toll auf der Stelle platzierten Piaffen mit fließenden Übergängen etwas eilige Trabverstärkungen. Eilig galt auch für das Rückwärtsrichten. Im Galopp „entlud“ sich dann heute etwas die Anspannung, indem sowohl die Einer- als auch die Zweierwechsel misslangen. Punkte gab es in den Galopppirouetten, wenn auch diese einen noch besseren Durchsprung hätten aufweisen können. Alles in allem punkteten sich die beiden zu 78,6 Prozent und dem mit sechs Prozent verdienten Sieg.
Aufsteigende Schweizerin
Hinter Werth durfte der Gastgeber jubeln, genauer gesagt die Schweizerin Charlotta Rogerson. Bereits bei den Stuttgart German Masters hatte sie mit Bonheur de la Vie für eine kleine Sensation gesorgt und sich den Sieg im Stuttgart German Master, einem Grand Prix Special, gesichert. An diese aufsteigende Form konnten die beiden in Basel anknüpfen und freuten sich mit 72,6 Prozent und Platz zwei über ihr bislang bestes Ergebnis in einer Weltcup-Qualifikation. Highlight bildeten die kraftvoll abdrückenden Passagen. Die Piaffen gelangen noch nicht ganz optimal geschlossen. Auch in der Galopptour überzeugten die beiden mit viel Sicherheit.
Auf Platz drei durfte aus bayerischer Sicht ein schöner Erfolg gefeiert werden. Raphael Netz reihte sich mit dem 13-jährigen Dante Weltino-Nachkommen Dieudonné auf dem Bronzerang ein (71,8 Prozent). Der Rappwallach verfügt auf internationalem Parkett noch nicht über die große Erfahrung, meisterte die schwierige Atmosphäre in Basel heute aber „tapfer“. Alles in allem hat der vielversprechende Dieudonné über die letzten Monate einen enormen Schub gemacht. So präsentiert sich die Trabtour noch kraftvoller abfußend und gleichmäßig. Beispielsweise wussten die aktiv abfußenden Passagen zu überzeugen. Die Piaffen gelangen heute noch nicht ganz gleichmäßig und zentriert. Auch dieses Duo wurde vom Fehlerteufel begleitet. Die Einerwechsel zeigten sich in sich nicht ausbalanciert, wodurch sich auch ein Wechsel nicht ganz sicher durchgesprungen präsentierte. Die erste Galopppirouette gelang gut zentriert. In der zweiten Galopppirouette stand der Wallach nicht optimal vor dem inneren Bein, wodurch sich der Durchsprung etwas hastig präsentierte. Alles in allem war das jedoch eine äußerst vielversprechende Vorstellung, von einem Wallach, der in die "großen" Atmosphären einfach noch mehr reinwachsen muss. Die dritte deutsche Teilnehmerin, Svenja Kämper-Meyer mit Amanyara M FRH, folgte mit 70,3 Prozent auf Rang vier. Bettina Kendlbacher komplettierte mit Broadmoars Don Alfredo AWO die Top 5 (70,1 Prozent).