Aachen: Top-Auftakt von Raphael Netz
Endlich sind die FEI World Championships in Aachen gestartet. Noch vor der offiziellen Eröffnungsfeier am Dienstagabend machten die Dressurreiter im großen Aachener Stadion den Auftakt und gleich zu Beginn setzte der bayerische Dressurausbilder als erster deutscher Mannschaftsreiter mit 73,3 Prozent und der vorübergehenden Führung Akzente.
Strategiewechsel
Es war ein wahrer Gänsehautmoment oder besser gesagt gab es mehrere solcher – als Raphael Netz mit seinem jetzt 15-jährigen Great Escape Camelot über den Aachener Rasen zum Dressurviereck ritt, wurden die beiden gleich euphorisch bejubelt. „Ich habe die Begrüßung vom Publikum bemerkt. Das hat uns beide getragen auf dem Weg von dem heiligen Rasen ins Viereck“, erläuterte Raphael Netz. Im Viereck angekommen, zeigten sich die beiden sofort mit der von ihnen gewohnten Konzentration. Bester Sitz, einfühlsame Einwirkung und stets top Seitenbild ließen zugleich die fließenden Trabtraversalen zu einem ersten Highlight werden. Beim Rückwärtsrichten stand der KWPN-Wallach nicht ganz geschlossen (für ihn äußerst ungewöhnlich). Die Passagen gelangen heute alle sehr aktiv und gleichmäßig abfußend. Ein paar Punkte ließen die beiden in der ersten Piaffe liegen, als der Wallach einmal kurz „nachfragte“ und dementsprechend das Gleichmaß kurz verloren ging. Der Schritt zeigte sich taktsicher mit gutem Übertritt, Great Escape Camelot hätte den Hals aber noch besser fallen lassen können. Die Galopptour startete mit toll ins Bergauf gesprungenen Serienwechseln. Ein weiteres Highlight bildeten die topzentrierten Galopppirouetten. Leider schlich sich in der Einleitung zu den Einerwechseln ein teurer Fehler ein. „Wir haben da etwas verändert in der letzten Woche“, beschrieb Raphael Netz. Das Ziel sei es, jetzt mit einem etwas größeren Galoppsprung in die Einerwechsel hineinzureiten. „Normalerweise fangen wir zwei, drei Galoppsprünge später mit den Einern an“, führte Netz fort. Das Resultat: Great Escape Camelot war davon in der Prüfung noch etwas überrascht und so schlich sich in der Einleitung ein Zweierwechsel ein. Die restlichen Einerwechsel gelangen fehlerfrei, wenn auch nicht ganz ausbalanciert. Das war ein teurer Fehler, der aber auch als eine Art Schönheitsfehler gesehen werden kann. Denn die restliche Prüfung war einmal mehr eine Runde, die als Werbung für gute Ausbildung und schönes Reiten angesehen werden kann. Auch die Richter honorierten dies und belohnten das Debütantenpaar verdient mit 73,3 Prozent. Das bedeutet aktuell die Führung für das deutsche Team und im Moment auch im Einzelranking die Führung für Raphael Netz. Eine bessere Basis hätte Netz bei seinem Senioren-Championatsdebüt für das deutsche Team nicht liefern können. Die noch amtierenden Weltmeister, das dänische Team, ist mit dem Ergebnis von Nadja Aaboe Sloth mit Favour Gersdorf (71,9 Prozent) in die Weltmeisterschaften gestartet und belegt im Moment Rang zwei hinter Deutschland. Als Nächstes gilt es, für Frederic Wandres mit Bluetooth um 17.40 Uhr die Daumen zu drücken.